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Die Oberhessische Presse Marburg berichtet, 2.04.2021


Dieses Blog führt auf den Nachbarkontinent Afrika. Wir informieren über die Wirkungen von Corona und laden zu einer Reise ein. Es sind viele Stimmen zu sehen, zu lesen und zu hören, Begegnungen mit vielen Menschen und Institutionen, die sich engagieren, um die negativen Wirkungen des CORONA-Virus zu begrenzen. Die sprichwörtliche afrikanische Solidarität wird gelebt, um widrigen Umständen zu trotzen. 

Themen

  • die Situation zu Corona – COVID 19 auf dem Nachbarkontinent Afrika mit Informationen zur Geschichte des Kontinents und zur Afrikanischen Union  –  siehe unten 
  • Afrika der Vielfalt mit seinem Reichtum, Chancen und Kreativität wie auch Kollateralschäden durch Corona und Hoffnung für die Zukunft ->> hier: "Afrika der Vielfalt
  • Die Ermordung des Afroamerikaners George Perry Floyd am 25. Mai 2020 in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota löst eine weltweite Bewegung aus, zum Lesen, Sehen und Hören ->>Black Lives Matter!  Rassismus, Kolonialismus, Hanau ...


  • Hier finden Sie  60 Forschungszentren und Organisationen des Kontinents, die Zugang zu vielfältigen Themen und Ländern bieten.  So z. B. das Africaportal in Südafrika mit zahlreichen Studien zu aktuellen Themen.

Dieses Blog wird seit dem 15. April 2020 regelmäßig aktualisiert.**** in Arbeit 18.08.2021
-> Unten geht die Reise los!
 

Murakaza neza * Karibuni * Willkommen 

auf dem Nachbarkontinent Afrika  * Soo dhawow  * Bienvenue  Welcome 

 السلام عليكم  Salem aleikum - der Friede sei mit Dir!

Internationale Jugendbegegnungen "Voneinander lernen -
Nach der Shoah in Europa - Nach dem Genozid in Rwanda"
Huye, Rwanda, Dezember 2005 - Foto
© H. Schürings

CORONA auf dem Nachbarkontinent Afrika ist ein Blog zu vielen Themen * gespeist aus zahlreichen Quellen, zum Sehen, Lesen und Hören * Stimmen aus Afrika * aus ca. 40 deutsch-, englisch- und französischsprachigen Medien und Organisationen * seit 15.04.2020 - regelmäßig aktualisiert. Hier geht es zu ->> Afrika der Vielfalt, seit 24.02.2021
Und seit dem 21.07.2020 gibt es die Seite ->> Black Lives Matter!


Nehmen Sie sich Zeit und Muße für die Reise:
Ein afrikanisches Sprichwort: „Die Europäer haben die Uhr, die Afrikaner haben Zeit.“

Wenn Ihnen die Informationen etwas wert sind, freuen wir uns über eine  Spende****  und über Anregungen & Feedback. 

Der Nachbarkontinent Afrika

Bevölkerung des afrikanischen Kontinents 2019: ca. 1,3 Milliarden Personen in 55 Staaten, ca. 30 Mio. qkm; Europa: 513,5 Mio. Personen, 10 Mio. qkm.
Afrika ist der zweitgrößte Kontinent der Welt, ein Kontinent der Vielfalt in Bezug auf Kultur, Geschichte, Bevölkerung, politische Systeme, Religion, Natur, mit Tausenden verschiedenen Sprachen und  ... die Wiege der Menschheit.
Alte Hochkulturen, Handelswege über Tausende km, z.B. von West- nach Ostafrika, Einflüsse aus der arabischen, indischen, europäischen Welt und die Beziehungen zu China prägen Afrika. ->> Afrikakarte

Zunächst schauen wir zurück in die koloniale Geschichte des Kontinents, die prägend für die Gegenwart ist. 

Europäische koloniale Imperien und Sklavenhandel

Hier einige Fakten, die die Gegenwart beeinflussen – nehmen Sie sich Zeit, die verlinkten Beiträge zu sehen oder zu hören:
Die Wirkungen der europäischen kolonialen Imperien mit dem damit verbundenen Sklavenhandel DIE ZEIT (20.03.2020, Abruf 21.07.2020) sowie des Sklavenhandels in Ostafrika durch arabisch-muslimische Gruppen beeinflussen bis heute die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen (Deutsche Welle - DW 22.08.2019). Muslime des Nahen Ostens haben über ein knappes Jahrtausend den Mittelmeerraum sowie weite Teile Afrikas und Asiens dominiert (qantara.de 20.07.2020). Der 23. August ist Welttag zur Erinnerung an den Sklavenhandel.

Kurz wird auf die Kolonien des Deutschen Kaiserreiches (1878-1918) sowie von Frankreich eingegangen, deren Nachwirkungen auf die Kolonisierten bis heute andauern. -> Kolonien in Afrika 1914. Die wichtigsten Kolonialmächte waren Frankreich, das Vereinigte Königreich und Belgien. Koloniale Grenzen wurden mit dem Lineal auf der Berliner Konferenz 1884-1885 gezogen.
Das Kaiserreich Abessinien (ca. 980 vor Christus bis 1974 n. Chr.) auf dem Gebiet des heutigen Äthiopien und Eritrea, war - bis auf die Besetzung während des zweiten Weltkrieges durch Italien - keine Kolonie. Liberia in Westafrika war keine Kolonie sondern ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger Sklaven aus den Vereinigten Staaten und einer der ersten unabhängigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent.
 

Deutschland hatte bis 1918 mehrere Kolonien in den Gebieten der heutigen Staaten: Burundi, Rwanda, Tanzania, Namibia, Kamerun, Gabun, Congo, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Nigeria, Togo, Ghana. Die Auseinandersetzung mit der Verantwortung Deutschlands und den Wirkungen steht noch weitgehend aus, so Prof. Jürgen Zimmerer im Deutschlandfunk - DLF 24.10.2019, siehe auch die Kritik am Humboldt Forum: Deutsche Welle – DW 13.08.2017
Das Robert Koch-Institut - RKI, Hamburg, vermeldet täglich die Infektionszahlen zu Corona in Deutschland. Wer war Robert Koch?  Robert Koch und die Verbrechen von Ärzten: Zu Kolonialzeiten war es üblich, dass Forscher skrupellos mit Afrikanern experimentierten, allen voran die Deutschen. So zwang Robert Koch kranke Menschen in Konzentrationslager(!) in afrikanischen Ländern und testete an ihnen Gegenmittel. Die Gräueltaten der kolonialen Tropenmedizin wirken bis heute. Eine Sendung des Deutschlandfunks:  "Die Medizin spielte bei der Kolonialisierung Afrikas eine Schlüsselrolle. Ohne ihren Fortschritt hätte Afrika nie erkundet und ausgebeutet werden können. Die renommiertesten Tropenmediziner kamen damals aus Deutschland, allen voran der Nobelpreisträger Robert Koch. Schon als Junge träumte er davon, reisender Forscher zu werden wie sein Vorbild Alexander von Humboldt. Mit der Kolonialherrschaft wurde dieser Traum wahr. 1883, im Alter von 39 Jahren, begleitete er eine der ersten tropenmedizinischen Expeditionen auf der Spur einer tödlichen Seuche."  DLF, 26.12.2020


Frankreich hatte 21 Kolonien oder sogenannte Protektorate in Nord- und Westafrika und im Indischen Ozean, die bis heute engste Verbindungen zum ehemaligen „Mutterland“ haben, genannt France-Afrique. 2020 sind viele dieser Staaten seit 60 Jahren unabhängig. Doch Frankreich zieht im Hintergrund weiter die Strippen – denn Ressourcen wie Diamanten, Gold, Gas, Öl oder Uran für die 50 Atomkraftwerke in Frankreich sind von zentraler Bedeutung für die französische Wirtschaft.
Die engen politischen Beziehungen Frankreichs mit Eliten in den afrikanischen Ländern sichern französische Einflusssphären. Das geerbte politische System, das den Präsidenten große Machtfülle sichert, erleichtert Frankreich die (auch militärische) Kontrolle über große Regionen in Afrika. In Westafrika gibt es verschiedene Militärmissionen, u.a. die französische Mission Barkhane, an der auch die Bundeswehr beteiligt ist. Die Missionen sollen der Terrorbekämpfung in der Sahel-Zone dienen. Welche Folgen diese Mission für die Zivilgesellschaft hat, lesen Sie hier Fokus Sahel e.V. Hat jemand die Toten gezählt?
Die Währung FCFA - Franc de la Communauté Financière d'Afrique - ist an den Euro gekoppelt, was eine eigenständige Geldpolitik unmöglich macht. Der FCFA ist die Währung von 14 zentral- und westafrikanischen Staaten. Diese Länder zahlen bis zu 65% ihrer Devisenreserven in die französische Staatskasse ein. "Es klingt unglaublich, aber die afrikanischen Regierungen wissen nicht, wie viel Geld in der Staatskasse jedem einzelnen Land gehört." Frankreich und Afrika: Abnabeln in Zeitlupe: DW 31.07.2020 


In vielen Staaten hat BLACK LIVES MATTER! zur Auseinandersetzung mit der Kolonialzeit beigetragen. Während der Beerdigung von George Floyd am 9.06.2020 in Houston, USA, zeigten sich viele Menschen in Afrika solidarisch und knieten nieder, z.B. im Senegal (Le monde, frz. 10.06.2020), in Südafrika, Kenya, Ghana. Auch in arabischen Ländern gab es Solidaritätsadressen ->> Black Lives Matter! 

Dass Europa wie Afrika sich dekolonialisieren müssen, fordert u.a. der Philosoph Achille Mbembe in seinem Werk "Kritik der schwarzen Vernunft". Eine Diskussion zu: "afrotopia-afrikas-zukunft-und-europas-vergangenheit" mit Veye Tatah, Herausgeberin von "Afrika Positive", und dem Kulturjournalisten René Aguigah, SRF Kultur, Sternstunde (56 min. 27.03.2020).

Entwicklung von Corona seit März 2020

August 2021: Seit Monaten wird darüber diskutiert, wie und wann die Länder des Südens Impfstoffe erhalten können. Der Podcast von HR2 18.08.21 gibt einen Überblick, 54:12 min. Solidarität könnte anders sein.

Es war Frühjahr 2020 und alle waren sich sicher, dass Afrika nur das Schlimmste bevorstehen könnte. Aber es kam anders: Süddeutsche Zeitung 4.09.2020.
Überraschend für viele ist die Tatsache, dass sich das Corona-Virus auf dem afrikanischen Kontinent ganz anders entwickelt als z.B. in Europa, den USA, in Brasilien und auch in Deutschland. Corona wurde zum ersten Mal am 14. Februar 2020 in Ägypten nachgewiesen. Die ersten Fälle kamen von außerhalb des Kontinents z.B. aus Frankreich, Italien, Dubai, Indien.
Der Anstieg der Zahl der infizierten und verstorbenen Personen war lange relativ gering, hat sich beschleunigt, ist abgeflacht, hat jedoch inzwischen - in einer sogenannten zweiten "Welle" in 40 Ländern in Afrika wieder zugenommen. Nun kündigt sich die dritte "Welle" an.
Insgesamt ist die Anzahl der infizierten Personen und Verstorbenen im Verhältnis z. B. zu Europa jedoch gering.

In den letzten Monaten hat sich die Situation in den nordafrikanischen Staaten besonders in Ägypten, Marokko und Tunesien  verschlechtert. In Afrika südlich der Sahara sind auf niedrigem Niveau negative Veränderungen in den westafrikanischen Staaten Nigeria, Mali, Mauretanien, Burkina Faso, Senegal sowie im südlichen Afrika: Zambia, Zimbabwe, Botswana, Malawi, Eswatini und vor allen anderen in Südafrika zu beobachten.

Die Situation am 12.April 2020 in Kenya wird in diesem Video der BBC gut zusammengefasst (video engl. 12.04.2020). Bereits im März wurden von mehreren Ländern Ausgangssperren verhängt.
Am 25.06.2020 gab es 338.031 positiv getestete Personen, also ca. 0,02% von 1,3 Mill. Bewohner*innen des Kontinents, und ca. 1,5% der weltweit Infizierten.
8.877 Personen waren gestorben, nach Angaben des Centre for Disease Control and Prevention CDC (Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention) der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba - Äthiopien.
Am 10. Oktober, nach mehr als drei Monaten, sind 1.569.680 Personen positiv getestet und 37.916 sind verstorben. Zum Vergleich: Frankreich hat bei 66.993.000 Einwohner*innen (2019) insgesamt 32.583 verstorbene und 691.977 infizierte Personen (09.10.2020), also geringfügig weniger als der gesamte Kontinent mit 1.3 Mrd. Einwohner*innen.
Südafrika, das am stärkste betroffene Land, hat mit 57.707.601 Einwohner*innen etwa genauso viele Infizierte: 690.896 wie Frankreich und meldet 17.673 Verstorbene, so das südafrikanische Gesundheitsministerium, 10.10.2020

Bis zum 25. Dezember 2020 sind auf dem gesamten Kontinent 2.623.086 Personen positiv getestet und insgesamt 61.954 Personen verstorben, weiterhin im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung relativ gering und in etwa die gleichen Zahlen wie in Frankreich.
Bis zum 4. April 2021 sind in Afrika 4.261.645 Personen positiv getestet und 113.598 verstorben. Africacdc.org, Abruf 4.04.2021 - In Frankreich sind 96.678 Personen verstorben und 4.822.470 positiv getestet, vermeldet das französische Gesundheitsministerium, 4.04.2021


Aktuell sind im Verhältnis zur Zahl der Einwohner*innen die am stärksten betroffenen Länder Marokko, Tunesien und Südafrika. Hier die Daten für alle Länder, täglich aktualisiert, frz.

In den Maghreb-Staaten ist seit Oktober 2020 die Anzahl der Verstorbenen im Verhältnis zu den Einwohner*innen erheblich gestiegen. Besonders gilt dies für Tunesien und Marokko.
Die Anzahl der Verstorbenen im Verhältnis zur Einwohnerzahl, corona-in-zahlen 23.02.2021
Algerien: Einwohner*innen 43.851.043 / Verstorbene 2.909, Tunesien: 11.818.618/ 7.099; Marokko: 36.910.558 / 8.368; Mauretanien: 4.649.660/ 425; Libyen: 6.871.287/ 1.936 .
Im Folgenden gehen wir auf die Situation in Algerien, Marokko, Tunesien sowie kurz auf Libyen ein und zeigen Verläufe während des Jahres 2020.


Marokko und Tunesien waren französische Protektorate. Einige Regionen in Algerien wurden zum französischen Staatsgebiet erklärt und ein für die algerische Bevölkerung diskriminierendes Zwei-Klassen-System zugunsten der französischen Immigranten eingerichtet. 
Als Mittelmeeranrainerstaaten unterhalten die neben Arabisch und Tamazight frankophonen drei Länder enge Beziehungen zu Europa, besonders zu Frankreich wie auch zu Italien und Spanien. Im Bereich der Migration sind Marokko und Tunesien zugleich Herkunfts-, Transit- und Zielländer für Migrant*innen.  

Die Staaten arbeiten, bei ähnlichen Herausforderungen, an einer gemeinsamen Zukunfts-Strategie, die geprägt sein soll durch Resilienz, Vertrauen, gegenseitige Hilfe und Solidarität. La Presse, frz., 21.05.2020

Algerien gehörte im Juni 2020 zu den Ländern mit einer relativ hohen Infektionsrate auf dem Kontinent: 11.504 Personen und 835 Verstorbene. Die Lockerungsmaßnahmen führten in einigen Regionen z.B. in der Wilaya Setif zum Anstieg der Todesfälle. Als Gründe wurden genannt: Mangel an "sozialer" Distanzierung und Nichttragen von Masken schreibt die Tageszeitung in Algerien Elwatan, frz. 20.06.2020
In den folgenden Wochen hat sich die Situation verschlechtert. In den Krankenhäusern gab es nicht genügend Material. Viele Patienten beklagten sich über die schlechte Versorgung. Das medizinische Personal war und ist überarbeitet und wird in vielen Krankenhäusern aggressiv bedroht. Es mangelt an Informationen über die aktuelle Situation, manche beschreiben die Situation als kriegsähnlich. Die seit mehr als einem Jahr andauernde politische Krise wird durch CORONA massiv verschärft. Elwatan, frz. 16.07.2020
Im Juli wurden 21.355 Personen positiv getestet, 1.052 waren zu dem Zeitpunkt verstorben, Jeune Afrique, frz. 17.07.2020.  Ab April stieg die Kurve stetig an, ist aber im Januar 2021 stark gesunken: Corona-in-Zahlen, 22.02.2021

Marokko: König Mohammed VI hat im April 2020 eine große Aktion zur solidarischen Unterstützung von 15 Ländern angeordnet. Diese wurden mit in Marokko hergestelltem Material beliefert: 8 Mio. Masken, knapp 1 Mio. Stück Gesichtsschutze, OP-Hauben, OP-Kittel, Desinfektionsmittel, Chloroquin, Jeune Afrique, frz. 15.06.2020. Bis Juli wurden 16.545 Personen positiv getestet und 263 sind verstorben. Jeune Afrique, frz. 17.07.2020. Zur Situation in Marokko im Juli 2020: Der Tag HR2, 15.07.2020.
Nach der Lockerung von Maßnahmen wurden diese aufgrund des Anstiegs der infizierten Personen wieder verschärft. In Marrakesch und Casablanca gab es Ausgangsperren, einige Viertel wurden abgeriegelt und die Öffnungszeiten der Geschäfte verringert. In Casablanca wie auch nahe der Hauptstadt Rabat wurden die Strände gesperrt. Im August wurden täglich 1.000 Neuinfektionen gemeldet. 46.313 Personen wurden positiv getestet und 743 Personen sind verstorben (RFI.fr 21.08.2020).
Wegen des Anstiegs der infizierten Personen hat Marokko wenige Tage vor dem muslimischen Opferfest Aïd Al-Adha im Juli 2020 die acht größten Städte des Landes abgeriegelt: Casablanca, Tanger, Tétouan, Fès, Meknès, Berrechid, Settat und Marrakesch. Die sehr kurzfristige Ankündigung führte zu erheblichem Chaos auf den Straßen, da viele sich beeilten, zum Opferfest in ihrem Heimatort zu sein.
Ab August 2020 stieg die Kurve steil an und sank ab November wieder, 06.02.2021. Seit dem ersten Todesfall am 10.03.2020 hat Marokko nach Angaben des marokkanischen Gesundheitsministeriums 8.408 Todesfälle zu beklagen, Maghreb-Post 08.02.2021.

Tunesien: die Wiege der arabischen Widerstandsbewegungen gegen autoritäre Regime 2011.
Im Mai 2020 waren 33.266 Personen getestet, davon 1.032 positiv und 45 verstorben. Tunesien hatte sehr restriktive Maßnahmen angeordnet, die massive Auswirkungen auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben hatten. So ist bis heute der wichtige Tourismus vollkommen zum Erliegen gekommen.
In dieser Zeit gab es mehrmals Tage ohne Neuinfektionen. Die Direktorin des Instituts für neue Krankheiten Nissaf Ben Alaya stellte fest, es müsse mindestens 40 Tage keine Neuinfektionen geben, damit Tunesien Covid-19 frei ist. Inch'Allah lebess! La Presse, frz. 16.05.2020.
Nach Tagen ohne Neuinfektionen gab es wieder infizierte Personen, insbesondere von Tunesier*innen, die aus dem Ausland zurückkamen: La Presse frz. 20.06.2020. Im Juli 2020 waren insgesamt 50 Personen verstorben. La Presse, frz. 16.07.2020.
Ab September 2020 ist die Kurve steil angestiegen und fiel dann Ende Januar 2021 steil ab, 22.02.2021. Der erhoffte Erfolg in der Bekämpfung des Virus ist nicht eingetroffen. Am 22.02.2021 waren 7.793 Personen verstorben, im Verhältnis zur Einwohnerzahl sehr viele.

Politisch und wirtschaftlich ist Tunesien in einer äußerst schwierigen Situation. Seit 2011 (Aufstand gegen das autoritäre Regime von Zine Abedine Ben Ali) hat sich bezüglich der Freiheitsrechte vieles verbessert - es gibt zahlreiche sehr aktive zivilgesellschaftliche Gruppen. Aber ein großer Teil der jungen Bevölkerung ist ohne Arbeit. Die ländlichen Regionen sind weiterhin abgehängt. Bisher ist es noch keiner Regierung gelungen, essentiell zur Verbesserung der Situation beizutragen. Regelmäßig gibt es Demonstrationen gegen die Repression der Polizei, für Arbeit, gegen Korruption ... "Die demokratische Dividende fehlt" quantara, 01.02.2021

Am 5.02.2021 wurde in Genf unter der Ägide der Vereinten Nationen mit 75 Vertreter*innen verschiedener an den Konflikten in Libyen beteiligten Gruppen eine Übergangsregierung zur Vorbereitung von Wahlen im Dezember 2021 gebildet. Seit der Ermordung von Gaddafi 2011 (Frankreich - NATO - USA) herrschte in Libyen Krieg. Zu den Hintergründen der Ermordung des ehemals von Frankreich so hoch geschätzten Gaddafi: rubikon, Abruf 06.02.2021
Der Krieg wird vom Ausland unterstützt: Die Zeit 25.06.2020. Wie werden sich die Unterstützer verhalten? Dazu ein guter Hintergrundsbericht in derFreitag, Abruf 02.03.2021
Libyen ist „Durchgangslager“ für viele Migrant*innen insbesondere aus dem östlichen Afrika und aus Subsahara-Afrika. Menschenhandel, Folterzentren, Vergewaltigungen sind an der "Tagesordnung" - von der EU unterstützt. Mit Booten werden Flüchtende nach Libyen zurückgeführt, ein humanitäres Desaster:  dis:orient 20.06.2020.
Zur Situation von Corona in Libyen liegen aus unserer Sicht keine zuverlässigen Daten vor. Aber macht dieses Thema Sinn in einer Region, wo täglich viele Menschen an Folter oder Kriegshandlungen sterben - Boote mit Geflüchteten mit Hilfe der EU wieder nach Libyen zurückgeführt werden und Menschen im Mittelmeer ertrinken? seawatch, 03.03.2021

Seit Beginn der Pandemie ist Südafrika das am stärksten betroffene Land. Nach der ersten Phase mit strikten Ausgangssperren, Verbot des Verkaufs von Alkohol wurden im Mai 2020 die Maßnahmen teilweise aufgehoben: "Heute hat sich alles hier verändert", so "The South African" (engl. 1.05.2020). Der Verkauf von Alkohol und Zigaretten wurde ab dem 18. 08. wieder erlaubt. Zum Herunterfahren der strikten Maßnahmen in Kenya, Nigeria, Rwanda, Südafrika: BBC, engl. 13.05.2020. Teilweise sind Schulen seit März 2020 geschlossen, wurden kurzzeitig geöffnet und wieder geschlossen. 
Maßnahmen wurden wieder eingeführt; rfi.fr 17.07.2020.  So wurden vom 27.07.-24.08.2020 die Schulen geschlossen Mail&Guardian  (engl. 23.07.2020). Verschiedene Restriktionen wie nächtliche Ausgangssperre, Tragen von Masken, Versammlungs- und Alkoholverbot wurden angeordnet. Anfang November stieg die Kurve steil an und flachte bis Anfang Februar 2021 stark ab.

Es gibt eine neue Variante des Virus: BBC 28.12.2020, die ihren Weg nach Europa gefunden hat. Es wird angenommen, dass neue Varianten verantwortlich für den Anstieg auf dem afrikanischen Kontinent sind. In Südafrika sollte mit Impfungen begonnen werden, diese wurden jedoch ausgesetzt. Der Grund: der Impfstoff Oxford-AstraZeneca sei - laut einer Studie der University of Witwatersrand in Johannesburg - bei den neuen Varianten, die ca. 90% der Infektionen verursachen, kaum wirksam. Allerdings wurden die Daten der Studie noch nicht veröffentlicht, Mail&Guardian 08.02.2021, rfi frz, 8.02.2021, ein ausführlicher Bericht in FAZ.net, 10.02.2021
Weiterhin wird vielfach die Frage nach "Nebenwirkungen" der Impfstoffe, die bisher wenig erforscht sind, gestellt.

Ist Tanzania coronafrei? Tanzania in Ostafrika stellt eine Ausnahme dar. Im April 2020 wurde die Zahl der Corona-Infektionen veröffentlicht, im Juni teilte Präsident John Magufuli nach einem dreitägigen Staatsgebet fest, das Land sei coronafrei. Die Menschen sollten beten und der lokalen Medizin vertrauen, sagte der Präsident. Derweil gibt es besonders auf der Insel Sansibar viele Tourist*innen, die ausgiebig feiern, und mancher verliess die Insel mit dem Virus: ZDF, 24.02.2021
"Covid-19 tötet die Leute, und wir sehen viele Fälle, aber wir können nicht über die Krankheit sprechen", sagt ein Arzt in Dar-es-Salaam der Nachrichtenagentur Agence France Press - AFP. Und es sollen auch keine Impfungen erfolgen. Von verschiedenen Seiten im Land wie auch von der WHO wird dies kritisiert. Lesen Sie weiter in der Süddeutschen Zeitung: "Gibt's doch gar nicht", SZ, 19.02.2021 und in theeastafrican, Kenya, 22.02.2021.
Ende Februar 2021 gab es eine Kehrtwende. Mehrere hohe Persönlichkeiten sind offensichtlich an Corona verstorben. Seit der Präsident ab Ende Februar 2021 nicht mehr öffentlich aufgetreten ist, gab es viele Spekulationen über eine Krankheit.
Am 17.03.2021 teilt die Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan von Tanzania mit, der Präsident sei in einem Krankenhaus in Dar-es-Salaam an Herzversagen verstorben - RIP. Le monde, theeastafrican - Kenya, 18.03.2021. Inzwischen erfolgte die Vereidigung von Mrs. Suluhu Hassan als erste Präsidentin von Tanzania BBC 19.03.2021.

Beginn von Impfungen

Im Januar 2021 haben als erstes Land die Seychellen mit Impfungen begonnen. Es folgte am 28. Januar Marokko. König Mohammed VI wurde als erster geimpft: Bisher sind in Marokko 8.323 Personen verstorben, le Matin frz 3.02.2021. Am 8.02.2021 waren 550.149 Personen geimpft, Maghreb-Post.
In Algerien wird seit dem 1. Februar in mehreren Städten geimpft. Die Impfdosen kommen aus Indien, Russland, Großbritannien und China. Anscheinend werden die Wirksamkeit wie auch die Folgen dieser Impfung in breiten Kreisen in Algerien diskutiert, El Watan, frz. 1.02.2021.
Im Februar 2021 wird in Südafrika (45.000 Verstorbene) mit Impfungen begonnen, eine Million Impfdosen sind aus Indien eingetroffen. Die sehr strikten Maßnahmen sollten dann reduziert werden, rfi frz 3.02.2021
Aber auch hier kam es anders. Südafrika hatte die Impfungen zunächst abgesagt, weil die Impfstoffe bei der Variante in Südafrika kaum wirksam sind. Nun werden Abnehmer für eine Millionen Dosen AstraZeneca  gesucht. 


Der Kampf um Impfstoffe

Seit Impfstoffe zur Verfügung stehen, zeigt sich erneut, wer weltweit die Kontrolle über Ressourcen hat. Viele schöne Worte von Politiker*innen, alle müssten die gleichen Rechte und Zugang haben, aber: "Viele Menschen fürchten (in Afrika), dass sie im globalen Verteilungskampf zu kurz kommen werden. Es sei schrecklich zu sehen, dass reiche Länder Impfstoffe erhielten, während afrikanische Länder darauf verzichten müssten", so John Nkengasong, Leiter des Zentrums für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (Africa CDC), Süddeutsche Zeitung, SZ 27.12.2020.
Anfang Februar 2021 haben hochrangige Politiker*innen weltweite Solidarität gefordert, um die Corona-Pandemie zu überwinden. "Statt Kulturen und Werte gegeneinander auszuspielen, müssen wir einen integrativeren Multilateralismus aufbauen", schrieben Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, UN-Generalsekretär António Guterres, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident Charles Michel und der senegalesische Präsident Macky Sall in einem gemeinsamen Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Sie plädieren für einen gerechten und beschleunigten Zugang zu Tests, Behandlungen und Impfstoffen, DIE ZEIT 03.02.2021

Sind solche Appelle ehrlich gemeint? Nein, denn der Eigennutz der westlichen Welt ist sichtbar und zum Nachteil der Mehrheit der Menschheit.
"Impfgerechtigkeit bleibt eine Illusion - Der Plan der Weltgesundheitsorganisation für eine faire globale Verteilung von Corona-Impfungen gilt schon als gescheitert. Die Industriestaaten beanspruchen einen Großteil der Impfdosen für sich, zu Lasten der ärmeren Länder in Afrika oder Lateinamerika, die beim Impfschutz weit hinterherhinken. ... Zwar haben sich die Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation WHO grundsätzlich dazu bekannt, den raren Impfstoff global gerecht zu verteilen. Doch das alleine sichert noch keinen Zugang, wie WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus vor zwei Wochen in Genf erklärte: „Während sie vom gerechten Zugang sprechen, ziehen manche Staaten doch bilaterale Absprachen mit Impfstoffherstellern vor. Sie versuchen sich vorzudrängeln und treiben so die Preise in die Höhe.“

Als Tedros diese Worte sprach, waren weltweit 39 Millionen Menschen gegen Covid-19 geimpft – in 49 Ländern, die fast alle zu den reichsten der Welt gehören. Weit vorne: Israel und Großbritannien, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und viele Länder der Europäischen Union. In Afrika dagegen waren es an diesem Tag 25 – nicht Millionen oder Tausend, wie Tedros versicherte, sondern genau 25.

Um es ganz klar zu sagen: Die Welt steht vor einem moralischen Versagen katastrophalen Ausmaßes, und der Preis dafür werden Menschenleben und Existenzen in den ärmsten Ländern der Welt sein.“: DLF, 2.02.2021

Nun hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Vorsitzenden der WHO gesprochen: "Steinmeier und Tedros fordern weltweit mehr Gerechtigkeit bei Impfstoff-Verteilung"  

"Tedros würdigte die jüngsten Finanzzusagen für die internationale Covax-Impfkampagne, wies aber darauf hin, dass Geld wirkungslos sei, wenn dafür kein Impfstoff gekauft werden könne. Es habe Auswirkungen auf die Covax-Verträge, wenn Industrieländer die Impfhersteller direkt kontaktierten, um sich mehr Impfstoff zu sichern. Bereits zugesagte Impfdosen seien infolgedessen reduziert worden. Tedros appellierte an die reichen Nationen, darüber nachzudenken, ob ihr eigenes Handeln nicht die Covax-Initiative unterwandere." DLF, 22.02.2021

Zwei Monate später:  Laut Africa CDC werden die über die COVAX-Initiative gelieferten Impfstoffe nicht ausreichen, um die Pandemie in Afrika zu beenden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO - Mitinitiatorin von COVAX - gibt an, dass bisher weniger als zwei Prozent aller Corona-Impfungen weltweit in Afrika verabreicht wurden, eine ausführliche Situationsbeschreibung auf dem Kontinent ->> DLF, 17.04.2021

Nehmen Sie sich Zeit und lesen Sie folgenden Beitrag zur "internationalen Solidarität" der Reichen mit den Armen, es gehen die Augen auf: "Das "Impfstoff-Privileg wird sich für den Westen rächen" Deutsche Welle DW, 05.02.2021 

Ein notwendiger Exkurs zu den vermeldeten Zahlen zu CORONA:
Grundsätzlich sind absolute Zahlen wenig aussagekräftig. Sie müssten ins Verhältnis zu den Einwohner*innen des Landes oder andere Bezugsgrößen, wie die Anzahl der an anderen Krankheiten verstorbenen Menschen, gestellt werden. Dies gilt weltweit für alle Länder, auch für Deutschland und Europa. Zudem weiß man nicht, wie viele wirklich an Corona oder an anderen Krankheiten verstorben sind. So spricht man in Deutschland von "in Zusammenhang mit Corona".
Und nicht zuletzt, worüber spricht man nicht? Zum Beispiel: wofür werden heute Finanzmittel vorrangig eingesetzt? Welche "Kollateralschäden" gibt es?

Am 23.06.2020 gab es in Südafrika die meisten Fälle auf dem Kontinent (Infizierte Personen 101.590/ 57.300.000 Einwohner*innen), gefolgt von Ägypten (55.233/ 98.423.595), Nigeria (20.244/ 214.028.302), Ghana (14.154/ 28.834.000), Algerien (11.771/ 42.972.878), Kamerun (11.892/ 24.994.885) und Marokko (9.997/ 33.986.655).
Setzt man nun die Anzahl der infizierten Personen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl würden andere Länder die ersten Plätze belegen. Versuchen Sie es doch mal! 
Afrika.info bietet in Deutsch die täglichen Daten zu den infizierten, erkrankten und verstorbenen Personen und eine Rangfolge nach absoluten Zahlen von Corona-Fällen in den 55 Staaten: Afrika.info.

"Lagos-Paradox" so die Neue Zürcher Zeitung: "Laut einer Studie haben sich in der nigerianischen Metropole (mit ca. 15 Mio. Bewohner*innen) über drei Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Doch vor Ort sagen viele, Covid-19 gebe es nicht - Wie kann das sein? Eine Spurensicherung im Stadtzentrum."
Ein sehr interessanter Beitrag, der Faktoren, Lebens- und Arbeitsweisen, widersprüchliche Fakten, Korruption und Kollateralschäden von Corona analysiert. NZZ.ch, 13.03.2021


Der Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guteress stellte im Mai 2020 fest, dass die meisten afrikanischen Staaten sehr schnell notwendige Maßnahmen wie eine gute regionale Koordination ergriffen, medizinisches Personal mobilisiert, Ausgangssperren und Grenzschließungen angeordnet haben. Zudem habe Afrika die Erfahrungen mit HIV und Ebola genutzt. Die "entwickelte" Welt könne von Afrikas Handeln lernen! Der Standard 20.05.2020 


Als eventuelle Gründe für die geringe Verbreitung werden von Forscher*innen genannt: die sehr junge Bevölkerung des Kontinents, die relativ wenigen Kontakte mit anderen Kontinenten, außerhalb der Städte eine geringe Besiedlung, ein eventuell besseres Immunsystem aufgrund von zahlreichen erlebten Krankheiten sowie die klimatischen Bedingungen.
Reflektiert dies die tatsächliche Situation? Oder liegt es daran, dass relativ wenige Personen getestet wurden? Trotz der Zunahme an Tests hat sich die Situation in den meisten Regionen nur kurzfristig negativ verändert. Der STERN schreibt dazu, 04.10.2020
Aber - es gibt in allen Ländern erhebliche "Kollateralschäden", siehe unten. 

Die Afrikanische Union – African Union

Das wichtigste Organ der 55 afrikanischen Staaten ist die: Afrikanische Union mit Sitz in Addis Abeba - Äthiopien, ihr aktueller Präsident ist Cyril Ramaphosa, der Präsident von Südafrika.
Die AU hat sich umfassende strategische Ziele für den gesamten Kontinent gesetzt: "Agenda 2063: The Africa We Want". Sie ist gut organisiert und zurzeit sehr aktiv.
So hat sie z.B. im April 2020 in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und der Jack Ma Foundation alle Länder durch Ethiopian Airlines mit Material wie Masken, Handschuhen, Brillen und Beatmungsgeräten beliefert. Sie bietet auf der Webseite umfassende Informationen zu COVID-19 und zu allen strategischen Programmen.
Das 2017 gegründete CDC der AU, verantwortlich für die Koordination, ist fachlich gut aufgestellt. Das Institut bietet u.a. Informationen für die Regionen, Anleitungen für den Bildungssektor, für Transport sowie für Schutzmaßnahmen im klinischen Bereich. Zudem gibt es ein Portal, über das medizinische Geräte und Materialien angeboten und gesucht werden, die in Afrika hergestellt werden.

Das CDC koordiniert ebenfalls die geplanten Impfprogramme. Anfang Februar hat das Zentrum über die Plattform Avatt 670 Mio. Impfdosen bestellt. Zudem werden über das gemeinsame Programm Covax der Gavi und der Weltgesundheitsorganisation WHO, 600 Mio. Dosen erwartet.
Gavi (Global Alliance for Vaccines and Immunisation) ist eine Partnerschaft zwischen der WHO, dem Kinderhilfswerk UNICEF sowie der Bill & Melinda Gates Stiftung und fördert die Gesundheitsversorgung in Ländern des Südens. Diese Allianz arbeitet zusammen mit 192 Staaten, dem privaten Sektor, Nicht-Regierungs-Organisationen – NRO sowie Firmen, die Impfstoffe herstellen u. a. ->> Gavi, 20.02.2021

Aber, so Amnesty International, haben sich die G7-Staaten  (USA, Deutschland, Japan, Frankreich, Italien, Großbritannien und Kanada) inklusive der EU über die Hälfte der Impfdosen gesichert, obwohl sie nur 13 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Einige Länder könnten mit der gesicherten Menge ihre Bevölkerung dreimal impfen. Die Hälfte der bereits verabreichten Impfungen sei an Menschen in diesen Ländern gegangen, während in 130 Ländern noch keine einzige Person geimpft worden sei. Welt-sichten, 19.02.201

Als erste sollten Impfungen in Rwanda, auf den Kapverden, in Südafrika und in Tunesien beginnen, rfi.fr 06.02.2021. In Südafrika wurden die Impfungen zunächst ausgesetzt.  Am 17. Februar begannen die Impfungen mit den Vakzinen von Johnson & Johnson, die offensichtlich bei der südafrikanischen Variante wirksam sind, rfi, fr 17.02.2021
Am 23.02.2021 begann der Senegal Impfungen mit dem Impfstoff Sinopharm aus China. Präsident Macky Sall hat auch bei Putin angefragt (Impfstoff Sputnik V) wie auch bei Johnson&Johnson. Man könne nicht tatenlos auf die Lieferungen über das Covax-Programm warten, rfi, frz. 23.02.2021
Aline Gislaine Nimbona – Mitglied von Imbuto – berichtet über das Leben in Dakar, Senegal: Solidarität- Corona im Senegal, März 2021 in Deutsch & en Français.

Ghana ist das erste Land, das von Covax gelieferte Impfstoffe erhalten hat: 600.000 Dosen AstraZeneca & Oxford University, geliefert durch das "Serum Institute of India", der weltweit größte Produzent von Impfstoffen. Zunächst wird das Pflegepersonal geimpft und dann Personen, die älter als 60 Jahre sind. BBC und hier 24.02.2021

Inzwischen haben zahlreiche Länder Impfstoffe erhalten und mit Impfungen begonnen, aber - der Impfnationalismus der westlichen Staaten verhindert, dass mehr Menschen geimpft werden. "Reicht der Impfstoff für alle, wenn sich die reichen Staaten der Welt hunderte Millionen Dosen verschiedener Hersteller sichern? Die Impfstoffallianz COVAX will für mehr Gerechtigkeit sorgen. Ihr Ziel: Impfstoffe für alle - zu bezahlbaren Preisen." Bayerischer Rundfunk, Abruf 4.04.2021  

Massive "Nebenwirkungen" von CORONA - Kollateralschäden?

Bis heute sind die häufigsten Todesursachen auf dem Kontinent: Malaria, HIV, Tuberkulose, Masern und weitere Krankheiten. Da seit März 2020 fast alle Ressourcen für die Bekämpfung von CORONA genutzt werden, sind andere Maßnahmen ausgesetzt: keine Impfkampagnen gegen Masern, keine Verteilung von Moskitonetzen gegen Malaria, keine Entbindungen in Gesundheitszentren, und nur geringe Versorgung mit Lebensmitteln, DW 26.05.2020 und Beitrag: "Andere Richtung" in Afrika, Österreichischer Rundfunk - ORF, 28.05.2020


In den meisten Ländern sind die öffentlichen Gesundheitssysteme sehr schlecht ausgestattet, es gibt viel zu wenig Personal, Ausstattung und Medikamente. Oft sind die relativ geringen Gebühren für die Ärmeren viel zu hoch. Die privaten Einrichtungen können sich nur die wenigen Reichen leisten. Dies wird mit der Pandemie sichtbar, die internationale Politik trägt kaum zur Verbesserung bei, Audio-Beitrag DLF 03.06.2020
In vielen Ländern fordert das Gesundheitspersonal bessere Arbeitsbedingungen, mehr Material, Schutzkleidung und mehr Anerkennung für ihre Arbeit. Es kam zu etlichen Streiks von Angestellten in Krankenhäusern und Gesundheitszentren – sie sind erschöpft, viele Beschäftigte sind gestorben, RFI frz. 19.06.2020
Bei Krankheiten lassen sich viele Menschen nicht mehr behandeln. Besonders Frauen sind durch die aktuelle Situation beeinträchtigt. So finden viel weniger Geburten in Entbindungsstationen statt, auch die Beratung für Familienplanung fällt aus.
Wenn es kein Einkommen gibt, können auch keine Verhütungsmittel gekauft werden.
Dies berichtet die Direktorin Evelyn Samba der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung in Kenya (DW 10.07.2020)
Kein Zugang zu sauberem Wasser und schlechte hygienische Verhältnisse tragen zu Ursache und Verbreitung von Krankheiten bei (Zimbabwe, Video, engl., HRW-Human Rights Watch, April 2020)

"Kollateralschäden" sind: Hunger, Flucht, Gewalt, psychische und andere Krankheiten und - häufig aus Verzweiflung, weil die Familie nicht mehr ernährt werden kann - auch Selbstmord, ein bis vor kurzem wenig bekanntes Phänomen in Afrika. 

Zahlreiche wissenschaftliche Institute forschen zu Tests, Medikamenten und Impfungen gegen das Virus, z.B. die Institute Pasteur in Dakar - Senegal, in Abidjan - Côte d'Ivoire, andere in Kenya, in Südafrika. Alle Länder verfügen inzwischen über Einrichtungen, die Tests durchführen.
Das CDC hat ein Konsortium von Organisationen und Forschungsinstituten zur Erforschung von Impfstoffen gegründet, 09.07.2020

Die französische Tageszeitung Le monde (13.05.2020) stellt 11 wichtige Personen während der aktuellen Krise vor, die Entscheidungen beeinflussen oder eine besondere Rolle spielen, z.B. als Wissenschaftler*innen oder die im großen Stil Finanzmittel zur Verfügung stellen wie der Unternehmer und Philanthrop Alhaji Aliko Dangote aus Nigeria, der reichste Mann Afrikas.
Drei Persönlichkeiten sind Frauen: die Leiterin der Weltgesundheitsorganisation WHO in Afrika, eine Wirtschaftswissenschaftlerin, die Direktorin des Instituts Pasteur in Abidjan sowie die ehemalige Direktorin der Weltbank und Finanzministerin von Nigeria:
Frau Ngozi Okonjo-Iweala ist nun die neue Präsidentin der Welthandelsorganisation - WTO - , eine beeindruckende Frau: BBC 07.02.2021 Herzlichen Glückwunsch!

Genannt seien hier als wichtige Personen auch diejenigen, die ihre Arbeitskraft einsetzen: Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern und Pfleger*innen sowie Familien, die die Kranken und Gesunden versorgen, die den Kindern Mut machen, alle Personen, die die Infrastruktur aufrecht erhalten, diejenigen, die Lebensmittel - Mittel zum Leben produzieren, die unermüdlich helfen und helfen, die pflegen und spirituelle Unterstützung leisten ... und die Toten bestatten.
Ihnen allen weltweit ein großes DANKE SCHÖN - Thanks, Shukran, Asante sana, Gracias, Merci beaucoup, Murakoze cyane ...!

Wir haben in diesem Blog Einblicke in die aktuelle Situation auf dem Kontinent Afrika gegeben.
Hier geht es weiter mit Rückblicken auf das Jahr 2020, mit vielen Beispielen der Kreativität, des alternativen Denkens und Handelns, der Hoffnungen und Enttäuschungen auf dem Kontinent Afrika der Vielfalt ->> 25.02.2021 und hier zu ->> Black Lives Matter!


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(c) Imbuto e.V. 
Autorin: Hildegard Schürings 2021, unter Mitarbeit von Ulrich Schäfer ****

Die Autorin ist seit 1978 im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und Forschung auf dem Kontinent Afrika tätig.
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Foto: (c) Imbuto "Sprechen Sie afrikanisch? |
Voneinander lernen - Zukunft gestalten"
Internationales Seminar, auf der Lahn in Odenhausen