Männer danken Frauen Kamerun

Aktuell: Dieses Blog führt auf den Nachbarkontinent Afrika.  Wir laden herzlich zu der Reise ein - es sind viele Stimmen zu sehen, zu lesen und zu hören, Begegnungen mit vielen Menschen, Organisationen, Regierungen und Kommunen, die sich engagieren, um die negativen Wirkungen des CORONA-Virus zu begrenzen. Die sprichwörtliche afrikanische Solidarität wird gelebt, um manch widrigen Umständen zu trotzen. Themen u.a.: Black Lives Matter!  Beziehungen Globaler Norden - Afrika, Corona - Gesundheit - Wirkungen auf die Bevölkerung, Gewalt gegen Frauen, Politik und Wirtschaft, solidarische Kreativität vieler Akteur*innen,  Reichtum Afrikas, Migration, Finanzen, Hoffnungen für die Zukunft.  Das Blog wird seit dem 15. April 2020 wöchentlich aktualisiert.
Foto: (c) H. Schürings, Frauentag in Noun, Kamerun, Januar 2014 - die Männer danken den Frauen!  ->> nach unten 

Murakaza neza  Karibuni  Willkommen 

auf dem Nachbarkontinent Afrika  

Soo dhawow  Bienvenue  Welcome 

 السلام عليكم  Salem aleikum - der Friede sei mit Dir!

Foto: (c) H. Schürings
Internationale Jugendbegegnungen 
"Voneinander lernen - Nach der Shoah in Europa - Nach dem Genozid in Rwanda"                                               Huye, Rwanda, Dezember 2005

 

CORONA auf dem Nachbarkontinent Afrika - ein Blog zu vielen Themen * gespeist aus zahlreichen Quellen, zum Sehen, Lesen und Hören * Stimmen aus Afrika * aus ca. 40 deutsch-, englisch- und französischsprachigen Medien und Organisationen *
* seit 15.04.2020 - wöchentlich aktualisiert 11.08.2020 *
Seit dem 21.07.2020 gibt es auch eine Seite
Black Lives Matter!
Nehmen Sie sich Zeit und Muße für die Reise, das Blog zeigt viele Facetten.* 
Danke für Ihre Spende***   Anregungen an: imbuto(a)imbuto.net 


  • Eine lange Reise auf dem Nachbarkontinent Afrika

Bevölkerung des afrikanischen Kontinents 2019: ca. 1,3 Milliarden Personen in 55 Staaten, ca. 30 Mio. qkm; Europa: 513,5 Mio. Personen, 10 Mio. qkm. Afrika ist der zweitgrößte Kontinent der Welt, ein Kontinent der Vielfalt in Bezug auf Kultur, Geschichte, Bevölkerung, politische Systeme, Religion, Natur, mit mehr als 2000 verschiedenen Sprachen, und  ... die Wiege der Menschheit. Alte Hochkulturen, Handelswege über Tausende km, z.B. von West- nach Ostafrika, Einflüsse aus der arabischen, indischen, europäischen Welt und die Beziehungen zu China prägen Afrika.

Die Wirkungen der kolonialen Imperien mit dem damit verbundenen Sklavenhandel Die Zeit (20.03.2020, Abruf 21.07.2020) wie des Sklavenhandels in Ostafrika durch arabisch-muslimische Gruppen beeinflussen bis heute die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen (Deutsche Welle - DW 22.08.2019). Muslime des Nahen Ostens haben über ein knappes Jahrtausend den Mittelmeerraum sowie weite Teile Afrikas und Asiens dominiert (qantara.de 20.07.2020).
Frankreich hatte 21 Kolonien oder sogenannte Protektorate auf dem Kontinent, die bis heute engste Verbindungen zum ehemaligen „Mutterland“ haben, genannt France-Afrique. Viele dieser Staaten sind 2020 seit 60 Jahren unabhängig. Doch Frankreich zieht im Hintergrund weiter die Strippen – denn Ressourcen wie Diamanten, Gas, Öl oder Uran für die 50 Atomkraftwerke in Frankreich sind von zentraler Bedeutung für die französische Wirtschaft. Die engen politischen Beziehungen Frankreichs mit Eliten in den afrikanischen Ländern sichern französische Einflusssphären. Das geerbte politische System, das den Präsidenten überaus große Machtfülle sichert, erleichtert Frankreich die (auch militärische) Kontrolle über große Regionen in Afrika. 

Die Währung FCFA - Franc de la Communauté Financière d'Afrique - ist an den Euro gekoppelt, was eine eigenständige Geldpolitik unmöglich macht. Der FCFA ist die Währung von 14 zentralafrikanischen und westafrikanischen Staaten. Diese Länder zahlen bis zu 65% ihrer Devisenreserven in die französische Staatskasse ein. "Es klingt unglaublich, aber die afrikanischen Regierungen wissen nicht, wie viel Geld in der Staatskasse jedem einzelnen Land gehört."  Frankreich und Afrika: Abnabeln in Zeitlupe: DW 31.07.2020 


Die Woche vom 17.-23. Juli 2020 in Afrika in Bildern, BBC 24.07.2020 - Die Woche 24.-30.07.2020 in Bildern, BBC 31.07.2020
 

BLACK LIVES MATTER! Während der Beerdigung von George Floyd am 9.06.2020 in Houston, USA, zeigten sich viele Menschen in Afrika solidarisch und knieten nieder, so z.B. in Dakar, Senegal (Le monde, frz. 10.06.2020). Von der Insel Gorée (Dakar) wurden Millionen Menschen als Sklaven verschifft. Wegen der menschenunwürdigen Bedingungen kamen viele nicht in den USA oder Brasilien an, oder sie starben bei Zwangsarbeiten. Solidarisch waren viele Menschen in Südafrika, Kenia, Ghana. Auch in arabischen Ländern gab es Solidaritätsadressen. Hier geht es weiter...->> Black Lives Matter!


Überraschend für viele ist die Tatsache, dass sich das Corona-Virus auf dem afrikanischen Kontinent ganz anders entwickelt als z.B. in Europa, den USA, in Brasilien und auch in Deutschland. Corona wurde zum ersten Mal am 14. Februar 2020 in Ägypten nachgewiesen. Die ersten Fälle kamen von außerhalb des Kontinents z.B. Frankreich, Italien, Dubai, Indien. Der Anstieg der Infizierten und verstorbenen Personen war lange relativ gering, hat sich jedoch beschleunigt. Die Situation am 12.April 2020 wird in diesem Video der BBC gut zusammengefasst (video engl. 12.04.2020).
Bereits im März wurden von mehreren Ländern Ausgangssperren verhängt. Am 25.06.2020 gibt es 338.031 positiv getestete Personen, ca. 0,02% von 1,3 Mill. Bewohner*innen des Kontinents und ca. 1,5% der weltweit Infizierten. 8.877 Personen sind gestorben, nach Angaben des Centre for Disease Control and Prevention CDC (Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention) der Afrikanischen Union in Addis Abeba - Äthiopien, Direktor Dr. John Nkengasong. Das 2017 gegründete CDC ist fachlich sehr gut aufgestellt. Das Institut bietet u.a. Informationen für die Regionen, Anleitungen für den Bildungssektor, für Transport sowie für Schutzmaßnahmen im klinischen Bereich. Zudem gibt es ein Portal, über das medizinische Geräte und Materialien angeboten und gesucht werden, die besonders in Afrika hergestellt werden. 17.07.2020 


Am 9. August 2020 beträgt die Zahl der getesteten infizierten  Personen auf dem Kontinent 1.036.564, die Anzahl der Verstorbenen 22.966 Personen. Dabei hat Südafrika etwa die Hälfte der Infizierten und Verstorbenen, gefolgt von Ägypten mit 95.314 Infizierten und 4.992 Verstorbenen (BBC 09.08.2020). 

  • Grundsätzlich sind absolute Zahlen wenig aussagekräftig. Sie müssten z.B. ins Verhältnis zu den Einwohner*innen des Landes gestellt werden. 

So gab es auch am 23.06.2020 in Südafrika die meisten Fälle (101.590/ 57.300.000 Einwohner*innen), gefolgt von Ägypten (55.233/ 98.423.595), Nigeria (20.244/ 214.028.302), Ghana (14.154/ 28.834.000), Algerien (11.771/ 42.972.878), Kamerun (11.892/ 24.994.885) und Marokko (9.997/ 33.986.655). 

In Südafrika haben sich bis zum 8.07.2020 die Fälle der infizierten Personen verdoppelt, in Ägypten und Nigeria sind sie um ca. ein Drittel gestiegen. Setzt man die Anzahl der infizierten Personen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl würden andere Länder die ersten Plätze belegen. Versuchen Sie es doch mal! 
Hier für alle Länder die Angaben pro Land der Fälle und der Maßnahmen: Afrikakarte, Jeune Afrique frz., täglich aktualisiert. Afrika.info bietet in Deutsch die täglichen Daten zu den infizierten, erkrankten und verstorbenen Personen und eine Rangfolge von Corona in den 55 Staaten (Afrika.info 10.07.2020). 

Die AU hat sich gut organisiert und ist zurzeit sehr aktiv. So hat sie z.B. im April in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und der Jack Ma Foundation alle Länder durch Ethiopian Airlines mit Material wie Masken, Handschuhen, Brillen und Beatmungsgeräten beliefert. Sie bietet auf der Webseite umfassende Informationen zu COVID-19 und zu allen strategischen Programmen. 

  • Der Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guteress stellt fest, dass die meisten afrikanischen Staaten sehr schnell notwendige Maßnahmen wie eine gute regionale Koordination ergriffen, medizinisches Personal mobilisiert, Ausgangssperren und Grenzschließungen angeordnet haben. Zudem habe Afrika die Erfahrungen mit HIV und Ebola genutzt. Die "entwickelte" Welt könne von Afrikas Handeln lernen! (Der Standard 20.05.2020) 

Als eventuelle Gründe für die geringe Verbreitung werden von Forschern genannt: die sehr junge Bevölkerung des Kontinents, die relativ wenigen Kontakte mit anderen Kontinenten, außerhalb der Städte eine geringe Besiedlung, ein eventuell besseres Immunsystem aufgrund von zahlreichen erlebten Krankheiten sowie die klimatischen Bedingungen. 
Reflektiert dies die tatsächliche Situation? Oder liegt es daran, dass relativ wenige Personen getestet wurden?

  • Es gibt international eine breite Diskussion zum Verhältnis des "Armutskontinent" Afrika und des "Reichenkontinent" Europa sowie zur USA. Das auf Afrika bezogene alarmistische Denken und Handeln habe die Macht mancher autoritärer Präsidenten gestärkt und sei eventuell eine postkoloniale Folge der medialen und wissenschaftlichen Abhängigkeit von Europa, Le Monde fr. 5.05.2020 

Zahlreiche Intellektuelle des afrikanischen Kontinents nehmen Stellung zum Verhältnis von Europa und Afrika und fordern die nördlichen Staaten wie auch afrikanische Führungskräfte auf, einen radikalen Wandel einzuleiten. Deutschlandfunk Kultur, 28.04.2020
Hier der Offene Brief von mehr als hundert Unterzeichner*innen->Mail&Guardian, engl., Südafrika, 13.04.2020
Zunehmend gibt es Stimmen, z.B. des renommierten Forschungsinstituts für Entwicklung - IRD Frankreich, die argumentieren, dass das Bild, das der Globale Norden von Afrika hat, ein Produkt von Stereotypen und Vorurteilen sei. Die angekündigten Katastrophen entsprächen eher der Wahrnehmung des Nordens vom afrikanischen Kontinent als der aktuellen Situation (Le monde frz. 9.05.2020).
Im Oktober 2020 finden unter der Ägide Deutschlands Verhandlungen der Afrikanischen Union und der Europäischen Union statt. Es sollte ein Jahrhundert-Pakt geschlossen werden, aber davon ist man weit entfernt. "Afrika und Europa haben gemeinsame Interessen beim Thema Handel, bei Migration, bei Frieden und Sicherheit. Wir haben eine gemeinsame Geschichte. Doch trotz all dem, trotz aller gemeinsamen Verträge ist unser Kontinent noch immer nicht aus dem kolonialen System herausgekommen, ein reiner Rohstofflieferant zu sein. Das muss sich ändern", fordert Carlos Lopes, Beauftragter der Afrikanischen Union (AU) für die Beziehungen zur EU. (Deutsche Welle - DW 30.06.2020)
 

  • Bisher sind die häufigsten Todesursachen: Malaria, HIV, Tuberkulose, Masern und andere Krankheiten. Da zurzeit alle Ressourcen für die Bekämpfung von CORONA genutzt werden, sind andere Maßnahmen ausgesetzt, z.B. keine Impfkampagnen gegen Masern, keine Verteilung von Moskitonetzen gegen Malaria, keine Entbindungen in Gesundheitszentren, keine Versorgung mit Lebensmitteln, DW 26.05.2020. Beitrag "Andere Richtung" in Afrika, Österreichischer Rundfunk - ORF, 28.05.2020


In den meisten Ländern sind die öffentlichen Gesundheitssysteme sehr schlecht ausgestattet, es gibt viel zu wenig Personal, Ausstattung und Medikamente. Oft sind die relativ geringen Gebühren für die Ärmeren viel zu hoch. Die privaten Einrichtungen können sich nur die wenigen Reichen leisten. Dies wird mit der Pandemie sichtbar, die internationale Politik trägt kaum zur Verbesserung bei (Audio-Beitrag DLF 03.06.2020)
In vielen Ländern fordert das Gesundheitspersonal bessere Arbeitsbedingungen, mehr Material, Schutzkleidung und mehr Anerkennung für ihre Arbeit. In Nigeria, Tunesien und Südafrika streiken viele Angestellte in Krankenhäusern und Gesundheitszentren – sie sind erschöpft, viele Beschäftigte sind gestorben (RFI frz. 19.06.2020)
Bei Krankheiten lassen sich viele Menschen nicht mehr behandeln. Besonders Frauen sind durch die aktuelle Situation beeinträchtigt. So finden viel weniger Geburten in den Entbindungsstationen statt, auch die Beratung für Familienplanung fällt aus. Und wenn es kein Einkommen gibt, können auch keine Verhütungsmittel gekauft werden. Dies berichtet die Direktorin Evelyn Samba der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung in Kenia (DW 10.07.2020)
Kein Zugang zu sauberem Wasser und schlechte hygienische Verhältnisse tragen zu Ursache und Verbreitung  von Krankheiten bei (Zimbabwe, Video, engl., HRW-Human Rights Watch, April 2020)

  • Zahlreiche wissenschaftliche Institute forschen zu Tests, Medikamenten und Impfungen gegen das Virus, z.B. die Institute Pasteur in Dakar, Senegal, und in Abidjan, Côte d'Ivoire, andere in Kenya, in Südafrika. Inzwischen verfügen alle Länder über Einrichtungen, die Tests durchführen. Das CDC hat ein Konsortium von Organisationen und Forschungsinstituten zur Erforschung von Impfstoffen gegründet. 9.07.2020

Die französische Tageszeitung Le monde (13.05.2020) stellt 11 wichtige Personen während der aktuellen Krise vor, die Entscheidungen beeinflussen oder eine besondere Rolle spielen, z.B. als Wissenschaftler*innen oder im großen Stil Finanzmittel zur Verfügung stellen wie der Unternehmer und Philanthrop Alhaji Aliko Dangote aus Nigeria, der reichste Mann Afrikas. Drei sind Frauen: die Leiterin der Weltgesundheitsorganisation WHO in Afrika, eine Wirtschaftswissenschaftlerin und ehemalige Finanzministerin von Nigeria und die Direktorin des Instituts Pasteur in Abidjan.

Genannt seien hier auch diejenigen, die ihre Arbeitskraft einsetzen: Ärzte und Ärztinnen, Krankenschwestern und Pfleger*innen sowie Familien, die die Kranken und Gesunden versorgen, die den Kindern Mut machen, die Personen, die die Infrastruktur aufrecht erhalten, diejenigen, die Lebensmittel - Mittel zum Leben produzieren, die unermüdlich helfen und helfen, die pflegen und spirituelle Unterstützung leisten ... und die Toten bestatten. 

  • In vielen Staaten wurden ab April 2020 ähnlich strikte Maßnahmen wie in Europa verordnet (Quarantäne, Ausgangssperren, Abstand einhalten, sehr wenige wirtschaftliche Aktivitäten, Schulen und Universitäten geschlossen, Tragen von Mund-Nase-Masken, Einstellung des Flugverkehrs, Schließung von Grenzen, oft kein Transport ...).  

Warum Ausgangssperren in Afrika nicht angepasst sind, die Menschen müssen an Entscheidungen beteiligt werden, Erfahrungen mit Ebola in Westafrika (Deutsche Welle - DW 22.04.2020).
In diesen Wochen wurden Ausgangssperren teilweise aufgehoben, z.B. in Burkina Faso, Lesotho, Teilen von Nigeria, in Rwanda, Tunesien, Zimbabwe und Südafrika: "Heute hat sich alles hier verändert", so "The South African" (engl. 1.05.2020). Der Verkauf von Alkohol und Zigaretten ist in Südafrika weiterhin verboten. Zum Herunterfahren der strikten Maßnahmen in Kenia, Nigeria, Rwanda, Südafrika: BBC, engl. 13.05.2020.
Manche Staaten haben wegen des Anstiegs der erkrankten Personen Maßnahmen wieder eingeführt, z.B. Rwanda und Südafrika (rfi, fr. 17.07.2020). In Südafrika, das auf dem Kontinent die höchste Zahl aller erkrankten Personen hat, wurden vom 27.07.-24.08.2020 die Schulen wieder geschlossen Mail&Guardian  (engl. 23.07.2020).
Wegen des Anstiegs der infizierten Personen hat Marokko wenige Tage vor dem muslimischen Opferfest Aïd Al-Adha die acht größten Städte des Landes abgeriegelt: Casablanca, Tanger, Tétouan, Fès, Meknès, Berrechid, Settat und Marrakesch. Die sehr kurzfristige Ankündigung führte zu erheblichem Chaos auf den Straßen, da viele sich beeilten, an ihren Heimatort zu kommen. Marokko hat 20.278 Corona-Fälle bestätigte Corona-Infektionen gemeldet und 313 Todesfälle. (Le Monde, fr. 28.07.2020)
Andere Länder mussten auf Druck der Zivilgesellschaft z.B. im Senegal Maßnahmen lockern. Viele Betriebe haben inzwischen wieder die Arbeit aufgenommen. Märkte und Geschäfte sind teilweise geöffnet, Busse fahren, und manche Schule wurde geöffnet, andere wurden wieder geschlossen. Wie in Deutschland ist das Leben etwas entspannter. Die größte Herausforderung bleibt jedoch die Versorgung der Bevölkerung.

In zahlreichen Ländern wurden gewaltsame Maßnahmen gegen Personen eingesetzt, die sich nicht an die Vorschriften halten, z.B. wurden in Zimbabwe 40.000 Personen wegen Missachtung der Ausgangssperre verhaftet (BBC, engl. 26.05.2020). Viele Maßnahmen werden mit Gewalt durchgesetzt, Journalisten und Mitglieder der Zivilgesellschaft wurden verhaftet. Negativbeispiele sind Ägypten und Algerien, wo zahlreiche Regimekritiker*innen verhaftet wurden. Internationale Menschenrechtsorganisationen berichten von zahlreichen restriktiven Maßnahmen und Kontrollen der Regierungen, z. B. Reporter ohne Grenzen 01.04.2020
 

  • Die häusliche Gewalt besonders gegen Frauen und Kindern hat erheblich zugenommen. Frauen aus 48 afrikanischen Ländern appellieren an die Afrikanische Union und das Afrika-Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention, Frauen und Mädchen während der Corona-Pandemie finanziell zu unterstützen. Appel von Aktivistinnen und Aktivisten in Afrika: Femnet Kenya, engl., Gemeinsam für Afrika April 2020 

Frauen in Südafrika organisieren sich gegen die Gewalt (DW, Video, 4.06.2020)
Die japanische Regierung finanziert mit 4,5 Mio. US$ eine Studie zur Verbesserung der Situation und zu den Wirkungen von Covid-19 auf die Situation von Mädchen und Frauen: UN-WOMEN, engl. 12.06.2020
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo werden seit zwanzig Jahren Frauen brutal vergewaltigt. Der Friedensnobelpreisträger 2018 Dr. Denis Mukwege "repariert" bis heute Tausende Frauen und Mädchen im Hôpital Panzi in Bukavu, Süd-Kivu. Bericht zu Dr. Mukwege: Brot für die Welt 

  • Eine sehr eindrucksvolle Performance zu vergewaltigten Frauen und ihre Kinder im Kongo: Aujourd‘hui, j’ai maudit ma mère – Heute habe ich meine Mutter verflucht: Tshal Shihut Sarah 4.07.2020 


Anfangs wurden als wichtigste Maßnahme die Ausgangssperren gelobt. Inzwischen ist offensichtlich, dass die Menschen eher an Hunger sterben als an Covid-19,  so das Welternährungsprogramm (WFP) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen - FAO: Welt-sichten 17.07.2020.
Es kam u.a. zu Plünderungen, da die Menschen nichts zu essen haben. Laut einer Studie des Zentrums für Krankheitskontrolle in Addis Abeba, Äthiopien, die in 20 Ländern durchgeführt wurde, sagen Zweidrittel der Befragten, dass eine 14tägige Ausgangssperre zur massiven Verknappung von Nahrungsmitteln und Wasser und somit zu Hunger führen würde. BBC engl. 6.05.2020, ein Bericht aus Südafrika: "Die quälende Wahl zwischen Seife und Brot", Welt-sichten 10.06.2020. Ausgangssperren sind gar nicht angepasst an die Lebensbedingungen in afrikanischen Ländern. 

  • Ca. 80% der Bevölkerung leben vom sogenannten informellen Sektor oder in der Landwirtschaft. Das heißt: keine Arbeitsverträge, keine Sozial- oder Krankenversicherung, geringe Ersparnisse, oft mehrere Minijobs (Kleinhandel, Essensküchen, Motorradtaxi, Haushaltshilfen, Lastenträger...), Feldarbeit und vieles mehr, um den täglichen Lebensunterhalt zu sichern. Dazu begrenzte Gesundheitsversorgung, in Städten häufig enge Wohnverhältnisse, kein direkter Zugang zu sauberem Wasser, häufig Krankheiten durch massive Luftverschmutzung z.B. durch Kohleabbau in Südafrika, und in allen Ländern die Verdichtung der Bebauung, Industrialisierung, der Verkehr in Großstädten und z.B. durch Quecksilber vergiftete Böden beim Abbau von Bodenschätzen.  

Kein Job, Schulen und Universitäten geschlossen, ohne Einkommen ist die Alternative oft: Maske oder Essen kaufen: (DW 18.06.2020)

  • Die Rücküberweisungen (Remittances) an Familien und Freunde in Afrika von Personen, die z.B. in Europa arbeiten, sind massiv zurückgegangen. Damit fällt ein wichtiger Beitrag zur Finanzierung des Lebensunterhaltes in vielen Ländern weg. Der Betrag dieser privaten Rücküberweisungen ist dreimal so hoch wie die gesamte internationale Entwicklungshilfe (DW 29.04.2020), Überweisungen in der Schillerstraße in München, Süddeutsche Zeitung 10.05.2020


  • Afrika ist ein sehr junger Kontinent in Bewegung - und hat Erfahrungen mit einer Vielzahl von Krisen und Krankheiten, ein Kontinent mit Menschen, die die Dinge selbst in die Hand nehmen. Dies wird aktuell sichtbar. Was kann die Welt in der Corona-Krise von Afrika lernen? DW, 27.04.2020


  • CORONA in Afrika hat große Auswirkungen auf die Länder des Globalen Nordens. Auf dem afrikanischen Kontinent bauen viele Millionen Menschen Kaffee, Tee, Kakao, Baumwolle, Cashewnüsse, Rosen, Disteln, Kartoffeln und Mais bei Niedrigstlöhnen für die Versorgung Europas an. Sie ernten Kautschuk für Autoreifen, Gummihandschuhe und Schutzkleidung, nähen Textilien, produzieren Schuhe und Elektroteile für die Autoindustrie. Der Tourismus, eine wichtige Einnahmequelle für Länder wie Ägypten, Marokko, Kenia, Senegal, Tunesien und Südafrika, ist zum Erliegen gekommen. Afrika erwartet wirtschaftliche Talfahrt: DW, 27.03.2020

Der materielle Reichtum Afrikas sind Erdöl, Erdgas, Gold, Diamanten, seltene Erden, Bauxit (Aluminium) und Coltan, das in Ihrem Laptop, PC, Smartphone und in Elektroautos ist. Wenn es dies nicht gäbe, könnten Sie dies hier nicht lesen.
Die meisten Rohstoffpreise sind zurzeit im freien Fall. Die Einnahmen für Kupfer sind in Sambia um 30% gesunken. Die Preise für Milch und Baumwolle wie auch für Rinder sind in Westafrika massiv gesunken, somit verdienen die Produzent*innen nur noch sehr wenig oder gar nichts.

  • Wie jede Krise fördert CORONA auf dem jungen Kontinent die Kreativität: Unternehmen und kleine KFZ-Werkstätten stellen auf die Produktion von Beatmungsgeräten und Schutzmasken um, andere stellen Desinfektionsmittel und Studierende mit 3D-Druckern Geräte her. 

Es gibt überall Start-ups von jungen Leuten, die innovative Projekte entwickeln, z.B. bei einem virtuellen Hackathon in Kenya (DW Video, 04.06.2020).
150 Wissenschaftler, Banker, Unternehmer und Studierende haben an der Universität Kapstadt in Südafrika eine Corona-Tracing-App entwickelt. DW, 12.05.2020, zur Situation der Forschung auf dem Kontinent: DW, 17.05.2020.
Die sprichwörtliche afrikanische Solidarität wird gelebt: So zeichnet sich die AU durch ihr proaktives Handeln aus.
Um Menschen zu helfen, die nichts mehr zu essen haben, werden Familien von reicheren Personen "adoptiert". Berichte aus u.a. Niger, Südafrika, Kenia, Gaza, ... Podcast DER TAG des HR 2, 58 min, 28.04.2020.
Zivilgesellschaft und Nicht-Regierungs-Organisationen unterstützen Obdachlose und ledige Mütter; die Jungen helfen älteren Menschen.  Viele Banken, Betriebe und Einzelpersonen spenden für Projekte, Landwirte spenden ihre Ernte für die städtische Bevölkerung, Schneider und Schneiderinnen nähen Nase-Mund-Masken (BBC, engl. 7.05.2020).

MusikerInnen sensibilisieren für CORONA. Musikalische Sensibilisierung für CORONA in Senegal, Côte d'Ivoire, Togo, DRK, Uganda, Zentralafrikanische Republik, Le monde, April 2020, Musiker in Togo klären auf: DW Video, 12.05.2020
Y’en a marre“ – „Uns reicht’s“ ist eine politische Bewegung von jungen Leuten, die sich seit 2011 für gutes Regierungshandeln und gegen viele Missstände z.B. Korruption und soziale Ungerechtigkeiten engagiert, Interview mit dem Rapper Thiat zur aktuellen Situation im Senegal. TAZ 24.05.2020

Eine große Herausforderung war der Ramadan, der Monat der großen Solidarität, der Nächstenliebe, des Fastens und des gemeinsamen Gebets. In allen Ländern wurden Wege gesucht, um die Verhaltensregeln einzuhalten. Am 24. Mai 2020 wurde weltweit das Ende des Ramadans gefeiert Aid el Fitr, engl.,  Bilder zu AiD vom afrikanischen Kontinent, BBC 24.05.2020
Am 31. Juli wird Aïd Kebir oder Aïd El Ahda, das Opferfest gefeiert, im Senegal Tabaski genannt. Es wird befürchtet, dass die präventiven Maßnahmen z. B. auf Märkten nicht beachtet werden und es somit zu neuen Infizierungen kommt. Zudem sind die Preise für Schafe stark gestiegen und für viele Menschen unter CORONA-Bedingungen entschieden zu hoch. Aktuell kostet in Algerien ein Schaf mehr als 30.000 Dinar (ca. 200 €): dzairdaily, fr. 18.07.2020.
Im Senegal sind wegen CORONA und dem Beginn der Regenzeit die Futterpreise für die Viehzüchter sehr gestiegen wie auch die Verkaufspreise für Schafe. Die Preise bewegen sich zwischen 130.000 und 200.00 FCFA, also bis zu 300€. Das mittlere monatliche  Einkommen wird auf 54.000 FCFA geschätzt: rfi.fr 15.07.2020.
Die Teilnahme am diesjährigen Hadsch oder Haji, der großen Pilgerreise nach Mekka in Saudi Arabien, ist aufgrund von CORONA nur sehr begrenzt möglich. Es sind keine ausländischen Gläubigen zugelassen. 2020 dürfen nur etwa 10.000 Personen, in anderen Jahren bis zu 2,5 Millionen, nach Mekka kommen. Es wurden sehr strikte Maßnahmen angeordnet: Bilder Aljazeera 30.07.2020 

  • Politisch wird die Situation oft genutzt, z.B. um Wahlen auszusetzen. Allerdings sind Wahlen unter den aktuellen Bedingungen nur bedingt durchführbar. Zur Karte mit den geplanten Wahlen: AfricanArguments, 07.07.2020

Interview mit der deutschen Botschafterin Wagener in Addis Abeba und bei der Afrikanischen Union, Äthiopien: "Die Erwartungen an Abiy waren exorbitant" DW, 26.05.2020 

In einer Studie zur Situation in acht Ländern, in Algerien, Marokko, Ägypten, Côte d’Ivoire, Nigeria, DR Kongo und Südafrika, wird festgestellt, dass 80% der Befragten befürchten, dass die Pandemie sich weiter ausbreiten wird, ca. 50% fürchten massive wirtschaftliche und soziale Auswirkungen. 81% begrüßen die durchgeführten Maßnahmen der Regierenden, sie hätten sehr gut der Bevölkerung die Notwendigkeit erläutert sowie Programme zur Unterstützung der Wirtschaft und des informellen Sektors durchgeführt. Zudem haben sie Bedürftige unterstützt (Le monde frz. 02.06.2020). Einschränkend ist festzustellen, dass die untersuchten Länder bis auf die DR Kongo wirtschaftlich recht gut aufgestellt sind. 

Faktoren, die die Bedingungen auf dem Kontinent negativ beeinflussen

  • Der Klimawandel führt zu langen Trockenzeiten, dann zu Überschwemmungen, Menschen verlieren ihr Hab und Gut, sehr viele sterben, wie seit April in der Region Süd-Kivu - DR Kongo; in Burundi, Kenia, Somalia und Rwanda, Nigeria, Côte d'Ivoire und 2019 in Mozambik. Dazu herrscht seit Ende 2019 in Ostafrika die seit 70 Jahren größte Heuschreckenplage BBC, engl., die die Ernte zerstört. DW 11.05.2020 Neues Denken zum Klimawandel: Der Philosoph Bayo Akomolafe, Nigeria: Wir haben die Klimakrise nicht "unter Kontrolle" DW, 7.07.2020 


  • Durch kriegerische Auseinandersetzungen und Terrorismus in der Sahelzone (Westafrika), in Libyen, in der Demokratischen Republik Kongo, in Somalia sowie durch die Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria (DW, 29.05.2020), Kamerun, Tschad, Niger und Islamisten in Mozambik sterben täglich hunderte Personen, Millionen Menschen sind vertrieben. 


Weltweite Kriege: UN-Generalsekretär António Guterres: Aufruf zu einem Globalen Waffenstillstand, 23.03.2020 Der UN-Sicherheitsrat konnte sich auf eine Resolution, die von Frankreich und Tunesien eingebracht wurde, aufgrund des Einspruchs der USA nicht einigen. DW 9.05.2020 

  • Migration: Zu den großen Verlierern der Krise gehören Vertriebene und Flüchtlinge auf dem Weg zu einer besseren Zukunft, sie stranden im Nirgendwo. In vielen Ländern können sie nicht mehr auf Hilfe hoffen, sie verlieren ihre prekäre Arbeit und stehen in "Konkurrenz" zu jenen, die selbst nichts mehr haben. In Marokko haben Hilfsorganisationen wie die Caritas die Unterstützung eingestellt, in Tunesien haben ca. 10 000 Migrant*innen ihren Job verloren. 

Es dürften Tausende sein, die stranden und oft zwischen die Fronten von Terroristen geraten - in Libyen, im Sahel z.B. Mali, Niger, Nigeria, am Horn von Afrika, im Südsudan, in der DR Kongo, in Mozambik. Berichte und Videos vom Netzwerk afrique-europe-interact.net in Marokko, Niger, Mali, DR Kongo,Togo, Mai 2020
Da in Ostafrika die Grenzen geschlossen sind, kommen viele Asylsuchende nicht weiter und sind ohne jede Hilfe. Eine Koalition von 39 Organisationen aus Kenya, Uganda, Somalia und Südsudan appelliert an die Regierungen und regionale Institutionen, für diese Menschen die Grenzen zu öffnen und sie zu schützen: reliefweb  engl. 23.06.2020
"Black lives matter - am Mittelmeer", ein Bericht aus Zarsis im Süden Tunesiens über Migrant*innen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. TAZ 16.06.2020 
Der 20. Juni ist der Weltflüchtlingstag, dazu das BMZ, 20.06.2020
Bericht über die Arbeit von seawatch: IZ3W 24.06.2020 

Das Hohe Kommissariat für Flüchtlinge hat am 29. Juli 2020 eine Studie veröffentlicht: Tausende Flüchtlinge und Migranten sterben und erleiden schwere Menschenrechtsverletzungen auf ihrer Reise Richtung afrikanischer Mittelmeerküste und von West- nach Ostafrika. Das geht aus einem Bericht hervor, den UNHCR, das UN-Flüchtlingshochkommissariat, und das Mixed Migration Center (MMC) des Danish Refugee Councils am Mittwoch veröffentlicht haben. Der Bericht mit dem Titel “On this journey, no one cares if you live or die” (auf deutsch „Auf dieser Reise kümmert es niemanden, ob man lebt oder stirbt“) erklärt detailliert, wie Menschen auf dem Weg unaussprechliche Brutalität und Unmenschlichkeit erfahren – durch Schmuggler, Menschenhändler, Milizen und in einigen Fällen sogar durch staatliche Vertreter. (UNHCR 29.07.2020)


Die Maghreb-Staaten Marokko und Tunesien sind ehemals französische Protektorate. Einige Regionen in Algerien wurden zum französischen Staatsgebiet erklärt und ein für die algerische Bevölkerung ein diskriminierendes Zwei-Klassen-System zugunsten der französische Immigranten eingerichtet. Als Mittelmeeranrainerstaaten unterhalten sie sehr enge Beziehungen zu Europa und besonders zu Frankreich, auch zu Italien und Spanien.
Im Bereich der Migration sind Marokko und Tunesien zugleich Herkunfts-, Transit- und Zielländer für Migrant*innen.  

Zurzeit arbeiten die Staaten bei ähnlichen Herausforderungen an einer gemeinsamen Zukunfts-Strategie, die geprägt sein soll durch Resilienz, Vertrauen, gegenseitige Hilfe und Solidarität. La Presse, frz., 21.05.2020
Algerien gehört zu den Ländern mit einer relativ hohen Infektionsrate auf dem Kontinent: 11.504 Personen und 835 Verstorbene. Die aktuellen Lockerungsmaßnahmen führen in einigen Regionen z.B. in der Wilaya Setif zum Anstieg der Todesfälle. Als Gründe werden genannt: Mangel an "sozialer" Distanzierung und Nichttragen von Masken. Die Tageszeitung in Algerien Elwatan, frz. 20.06.2020
Die Situation in Algerien hat sich in den letzten Wochen erheblich verschlechtert. In den Krankenhäusern gibt es nicht genügend Material. Viele Patienten beklagen sich über die schlechte Versorgung. Das medizinische Personal ist überarbeitet und wird in vielen Krankenhäusern sehr aggressiv bedroht. Es mangelt an Informationen über die aktuelle Situation, manche beschreiben die Situation als kriegsähnlich. Die seit mehr als einem Jahr andauernde politische Krise wird durch CORONA massiv verschärft. Elwatan, frz. 16.07.2020
Bis heute wurden 21.355 Personen positiv getestet, 1.052 sind verstorben, Jeune Afrique, frz. 17.07.2020

König Mohammed VI von Marokko hat im April eine große Aktion zur solidarischen Unterstützung von 15 Ländern angeordnet. Zurzeit werden diese mit in Marokko hergestelltem Material beliefert: 8 Mio. Masken, knapp 1 Mio. Stück Gesichtsschutze, OP-Hauben, OP-Kittel, Desinfektionsmittel, Chloroquin. Es ist geplant, weitere Staaten zu unterstützen. Jeune Afrique, frz. 15.06.2020. Bis heute wurden 16.545 Personen positiv getestet und 263 sind verstorben. Jeune Afrique, frz. 17.07.2020 Zur aktuellen Situation in Marokko: Der Tag HR2, 15.07.2020

Tunesien: die Wiege der arabischen Widerstandsbewegungen gegen autoritäre Regime 2011, getestet wurden 33.266 Personen, 1.032 positiv, 45 sind verstorben. Tunesien hatte sehr restriktive Maßnahmen angeordnet, die massive Auswirkungen auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben haben. So ist der wichtige Tourismus vollkommen zum Erliegen gekommen. Mehrmals gab es Tage ohne Neuinfektionen. Die Direktorin des Instituts für neue Krankheiten Nissaf Ben Alaya sagt, es müsse mindestens 40 Tage keine Neuinfektionen geben, damit Tunesien von Covid-19 frei ist. Inch'Allah lebess! La Presse, frz. 16.05.2020. Es gibt immer wieder Tage ohne Neuinfektionen, aber dann tauchen erneut infizierte Personen auf, insbesondere Tunesier*innen, die aus dem Ausland zurückkommen: La Presse frz. 20.06.2020. So ist es auch weiterhin: 13 Neuinfektionen, davon 9 aus dem Ausland kommend. Bisher sind insgesamt 50 Personen verstorben. La Presse, frz. 16.07.2020

In Libyen herrscht Krieg, der vom Ausland unterstützt wird:  Die Zeit 25.06.2020. Libyen ist auch „Durchgangslager“ für viele Migrant*innen insbesondere aus dem östlichen Afrika und aus Subsahara-Afrika. Dort gibt es Menschenhandel, Folterzentren, Vergewaltigungen, von der EU unterstützt. Es werden auch mit Booten Flüchtende nach Libyen zurückgeführt, ein humanitäres Disaster:  dis:orient 20.06.2020

  • Die Region der Großen Seen, Zentralafrika: Die Anliegerstaaten der Region der Großen Seen (Tanganjikasee, Victoriasee, Albertsee, Eduardsee, Kivusee) sind Burundi, die Demokratische Republik Kongo – DR Kongo, Kenya, Rwanda, Uganda und Tanzania. Karte der East African Community - Ostafrikanische Gemeinschaft. 

Für alle Länder gibt es regelmäßig Berichte unter https://reliefweb.int/ engl. und theeastafrican (täglich, engl.). In Burundi und Tanzania gibt es wenige Maßnahmen, die vor dem Virus schützen sollen. Dort vertraut man auf Gott!
Trotz CORONA wurden am 20. Mai in Burundi die Parlaments-, Kommunal- sowie die Präsidentenwahl durchgeführt. Politisch wird dies von vielen Beobachtern als äußerst kritisch bewertet, mehrere Personen wurden verhaftet, einige ermordet. Zudem fördern Massenveranstaltungen die schnelle Verbreitung des Virus. Wie erwartet, hat der Kandidat des bisherigen Präsidenten Pierre Nkurunziza und der Regierungspartei Evariste Ndayishimiye die Wahlen mit 68,72% der Stimmen gewonnen. NGO IWACU Burundi, engl./ frz., Oenz.de 6.05.2020, der Pressespiegel von OENZ zu Burundi, DR Kongo und Rwanda 2020
Am 8. Juni ist der noch amtierende burundische Präsident P. Nkurunzira, 55 Jahre, plötzlich an einem Herzinfarkt gestorben, FAZ 09.06.2020  Que son âme répose en paix - RIP!   
Sein gewählter Nachfolger E. Ndayishimiye wurde am 18.06. in sein Amt eingesetzt: theeastafrican 18.06.2020
Die DR Kongo ist in Folge des Krieges und Genozids 1994 in Rwanda seit 1996 durch kriegerische Auseinandersetzungen geprägt. Es geht vorrangig um die Kontrolle und Ausbeutung der zahlreichen Ressourcen wie Coltan, Gold, Diamanten, Zink und seltene Erden. Arbeitsbedingungen im Goldabbau, theconversation, engl. 21.05.2020.
Eine deutsche Firma versucht, staatliche Goldminen zu übernehmen: Umstrittene Geschäfte in Zentralafrika: Deutscher Griff auf Kongos Gold: OENZ.de, 30.06.2020


Wechselnde Koalitionen von Milizen, unterstützt von den Nachbarländern, terrorisieren die Bevölkerung. Zurzeit finden in der Provinz Ituri Kämpfe im Osten der DR Kongo zwischen Bauern und Viehhaltern statt, die von der UN als eventuelle Akte von Genozid bezeichnet werden. Hunderttausende Menschen sind geflüchtet, DW, 29.05.2020
Die weltweit größte Friedensmission der Vereinten Nationen MONUSCO ist seit mehr als zwanzig Jahren vor Ort, bisher gibt es keinen Frieden! www.oenz.de, http://kongo-kinshasa.de/, Radio der Vereinten Nationen Radio Okapi frz.
Der kongolesische Geistliche Cibaka Cikongo über die Folgen der Corona-Krise, FAZ 18.04.2020;
DR Kongo, Ebola-Krise ist noch nicht vorbei, DLF, 12.04.2020
Informationen des Robert Koch Instituts -RKI zu Ebola im Osten und Westen des Kongo, RKI 01.06.2020

Wie sich das Leben in Kenia durch Corona verändert hat: Kenyan weddings, births and deaths in the age of Covid - BBC engl. 13.04.2020
Der Alltag in Kibera, einem Viertel in der Hauptstadt Nairobi, Kenia, wird durch die Pandemie immer schlimmer: Keine Jobs, kein Einkommen, geschlossene Schulen. Die Slumbewohner fürchten um ihre Existenz und die Zukunft ihrer Kinder - DW Video 20.07.2020

Zur Situation in Uganda, Rwanda und Tanzania, ein Bericht von Frederick Golooba-Mutebi, Friedrich Ebert-Stiftung - FES engl. 20.05.2020
Louis Gitinywa
aus Rwanda analysiert, wieweit die Entwicklungsstrategie des "Donor Darling" Rwanda auf die aktuelle Situation eine Antwort sein kann. Er weist auf die zunehmende Unzufriedenheit der Bevölkerung hin, da z.B. trotz wochenlanger Ausgangssperre keine Lebensmittel verteilt wurden. Sehr hohe Arbeitslosigkeit verschärft die Situation. FES, engl. 19.05.2020
In der Region sind häufig Fahrer von Lastwagen, die Güter wie Nahrungsmittel und Benzin von der Ostküste in die sechs Länder fahren, Träger des CORONA-Virus: "They call us CORONA", Beitrag R. Paasch, FES, engl. 3.06.2020

  • ZUKUNFT: Nach COVID-19 Intellektuelle und junge Aktivisten diskutieren, was sich auf dem Kontinent ändern muss, so z.B. Achille Mbembe der Universität Witwatersrand in Südafrika, Aminata Dramane Traoré, Aktivistin und ehemalige Ministerin für Kultur in Mali, die Sängerin Angélique Kidjo aus Benin, Felwine Sarr, Wirtschaftswissenschaftler - Autor von Afrotopia, Senegal, und andere diskutieren vom 8. bis 10. Mai 2020 auf RFI - Radio France internationale, frz. 8.05.2020


Blogs der Friedrich Ebert-Stiftung - FES beschreiben in verschiedenen Bereichen die Situation in mehreren Ländern, engl./ frz. 2020
Projekt "Danachgedanken" des Goethe-Instituts mit Beiträgen der Aktivistin Nanjira Sambuli in Kenya, der Psychologin Assumpta Mugiraneza, IRIBA Centre Rwanda, der Schriftstellerin Urvashi Butalia, Indien, und viele andere. 2020


Finanzierungen, Schuldenmoratorium, nationale Finanzmittel, Transparenz:

  • Unterstützung der Armen in den Ländern des Südens: Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) schlägt vor, sechs Monate an alle armen Menschen in Entwicklungsländern ein Grundeinkommen zu zahlen. Das scheint ein sehr sinnvoller Vorschlag zu sein: DLF 25.07.2020 


Mit #FollowCovid19Money verlangen junge Aktivist*innen auf dem Kontinent die Verwendung der Gelder offenzulegen: Twitter.  

Der Internationale Währungsfonds (IMF) stellt mehreren Staaten in Afrika Mittel zur Verfügung, um die Pandemie zu bekämpfen, z.B. der DR Kongo US$ 363.27 Mio. 22.04.2020.
Ab sofort setzt er für 25 ärmste Länder dieser Welt die Rückzahlung der Kredite für sechs Monate aus, 19 Staaten in Afrika, darunter DR Kongo und Rwanda, IMF, engl., 13.04.2020
Rwanda erhält vom Internationalen Währungsfonds US$ 109.4 Millionen, um die Kosten der COVID-19 Pandemie zu decken -  IMF Executive Board Approves a US$109.4 Million Disbursement to Rwanda to address the COVID-19 Pandemic, engl. 02.04.2020

Inzwischen wurden vielen Staaten weitere Finanzmittel zur Verfügung gestellt, so z.B. durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - BMZ stellt CORONA-Sofortprogramm vor. 22.05.2020.
Durch die Umschichtung von Mitteln werden aktuell ca. 3 Milliarden Euro bereitgestellt für Verstärkung, Ausbau der weltweiten Gesundheitsinfrastruktur, Nothilfen zur Stabilisierung der Krisenregionen und Flüchtlingscamps, insbesondere der Sahel-Region und des Krisenbogens Syrien, Maßnahmen zur Ernährungssicherung und zur Sicherung von Arbeitsplätzen. BMZ, 20.06.2020 

Neues EZ-Konzept: Das BMZ will zukünftig vor allem Länder fördern, die Reformen zu guter Regierungsführung umsetzten, Menschenrechte wahren und Korruption bekämpfen. Damit werden einige der ärmsten Länder in Afrika u.a. Burundi, Liberia und Sierra Leone ausgeschlossen. BMZ 2030, DLF-Kultur, 09.05.2020, und FAZ 08.07.2020

Afrika-Karte: Anzahl der positiv Getesteten, der Genesenen, Verstorbenen und Maßnahmen Jeune Afrique frz.

Wir haben in diesem Blog Einblicke in die aktuelle Situation auf dem Kontinent Afrika gegeben. Die konkrete Situation in einigen Ländern wurde beispielhaft aufgezeigt. Es werden wenige der insgesamt 55 Staaten genannt - trotzdem hoffen wir, dass Sie viel Neues erfahren haben. 
Wenn Sie an Informationen über die Situation einzelner Staaten interessiert sind, hier ein Portal der Deutschen Entwicklungszusammenarbeit, Finanzierung BMZ, Länderportale 2020 
Für die meisten Länder wird jedoch nicht auf die aktuelle Situation eingegangen.  

Schön, dass Sie bis hier gesehen, gelesen, gehört haben. 

Kommen Sie bald wieder! 

(c) Imbuto e.V.  Autorin: Hildegard Schürings 2020, unter Mitarbeit von Muriel Imhof
Die Autorin ist seit 1978 im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit und wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Kontinent Afrika tätig.

Wenn Ihnen diese Informationen etwas "wert" sind, freuen wir uns über eine Spende! 

Anregungen: Imbuto(a)imbuto.net  BLEIBEN SIE GESUND  ---  STAY SAVE!!!!

Die Reise geht weiter ... ->  www.imbuto.net
Foto: (c) Imbuto Seminar 2007 - auf der Lahn in Odenhausen