Dieses Blog thematisiert die Ermordung von George Floyd am 25. Mai 2020, die Bewegung "Black Lives Matter!" und Wirkungen weltweit,  z. B. das Verhältnis der ehemaligen Kolonialmacht Belgien gegenüber der Demokratischen Republik Kongo sowie Deutschland als Kolonialmacht.
Wir informieren über die Ermordung von NEUN Personen in ihrer Heimat Hanau am 19. Februar 2020, verlinken zu vielen Debatten und Aktionen, z. B. von Angehörigen.
Zum zweiten Jahrestag der Morde in Hanau sind es nicht die Familien der Ermordeten, die die Eingeladenen zum offiziellen Gedenken am 19.02.2022 in Hanau auswählen "durften", ihr Statement. #Hanauistüberall. "An der Begrenzung der Zahl der Trauergäste auf 100 Teilnehmer nahmen Angehörige Anstoß, die sich mehr ihrer Unterstützer und Freunde der Opfer auf der Gedenkveranstaltung gewünscht hätten. Deutliche Worte fand Emiş Gürbüz, die Mutter des ermordeten Sedat Gürbüz. "Es macht mich fassungslos, dass unsere Wünsche an diesem besonderen Tag ignoriert wurden", sagte sie sichtlich angefasst. Und sie fügte hinzu: "Das Land Hessen hat unsere Gedenkstunde vereinnahmt." Hessenschau 19.02.22
->> https://twitter.com/hashtag/SayTheirNames?src=hash

Thema dieses Blogs ist der strukturelle Rassismus mit Informationen, Erfahrungen, Debatten und Filmen in Deutschland, Europa, in der ehemaligien Kolonie Deutsch-Südwestafrika: Namibia und anderswo. .. 
Die Vereinten Nationen geißeln strukturellen Rassismus:  Das UN-Menschenrechtsbüro hat systemischen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze angeprangert. In vielen Ländern seien Menschen mit afrikanischen Wurzeln sozial, wirtschaftlich und politisch an den Rand gedrängt, auch in Deutschland. DW 28. Juni 2021
Das deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia. Deutsche Kolonialtruppen schlugen die Aufstände von zwei Volksgruppen brutal nieder. Historikern zufolge wurden etwa 65.000 der 80.000 Herero und mindestens 10.000 der 20.000 Nama getötet. Nach jahrelangen Verhandlungen über die Anerkennung des Genozids und eine Entschädigung steht man nun vor dem Abschluss. Über die Inhalte wurde Vertraulichkeit vereinbart (siehe weiter unten).  DW 16.05.2021
 

Black Lives Matter! - Rassismus

Floyd-Prozess: Im Mordprozess um die Tötung von George Floyd haben die Geschworenen im April den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Vor der Verkündung des Strafmaßes hatten Verwandte von Floyd auf Bitten der Staatsanwaltschaft über ihren Verlust gesprochen. Dem Gericht wurde auch ein Video von Floyds siebenjähriger Tochter vorgespielt. Der Ex-Polizist selbst sprach den Angehörigen in einer kurzen Erklärung sein Beileid aus. Es wurde erwartet, dass die Verteidigung gegen das Urteil Berufung einlegt. Nach Chauvin müssen sich nun drei weitere beteiligte Ex-Polizisten vor Gericht verantworten.  Am 26.06.2021 wird er zu  22,5 Jahren verurteilt. DLF, 26.06.2021

"Heute können wir wieder atmen"

... Der Bruder des Ermordeten, Philonise Floyd, sagte nach dem Schuldspruch, er werde weiter für Gerechtigkeit und Leben eintreten. Doch "heute können wir wieder atmen". Der Generalstaatsanwalt von Minnesota, Keith Ellison, dankte den "zahllosen Menschen" im ganzen Land, die Gerechtigkeit für George Floyd verlangt hätten ...  
US-Präsident Joe Biden zeigte sich erleichtert über das Urteil. Er rief nach dem Schuldspruch Floyds Familie an. Danach sagte er einer Ansprache im Weißen Haus: "Nichts kann jemals ihren Bruder, ihren Vater zurückbringen. Aber dies kann ein riesiger Schritt vorwärts auf dem Marsch zur Gerechtigkeit in Amerika sein." Struktureller Rassismus sei "ein Schandfleck auf der Seele unserer Nation". Auch Vizepräsidentin Kamala Harris betonte, dass noch viel im Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt zu tun sei. DLF 21.04.2021.

19. Februar 2020 – 19. Februar 2021 * ein Jahr Hanau 

Die Mutter von Ferhat Unvar, eines der neun Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau, hat eine Initiative gegen Rassismus in Schulen gegründet.  Ein Interview  mit Serpil Unvar, 15:40 min. Abruf 13.03.2021
Hinschauen, hinhören – handeln – Für eine Welt ohne Rassismus!

 #KeinVergessen. Ein Jahr nach Hanau 


Der letzte Tag - Das Attentat von Hanau
Am 19. Februar 2020 hat sich Jaweid Gholam zum Fußballgucken in einer Bar verabredet. Er entscheidet sich aber spontan um und bleibt zu Hause. Sein Freund Ferhat Unvar wird den Abend in der Bar nicht überleben ... 

Jaweid Gholam sitzt auf einer Mauer an einem kleinen Platz in der Hanauer Weststadt, zieht an seiner Zigarette und blickt auf den Eingang des Jugendzentrums. Hier, wo er seine Kindheit und Jugend verbracht hat, traf er sich am 19. Februar 2020 mit seinem Freund Ferhat Unvar. Beide wollten am Abend noch kurz in eine Bar gehen, um ein Fußballspiel zu schauen. Jaweid entschied sich spontan, doch schon nach Hause zu gehen. Ferhat wollte noch kurz in der Bar vorbeischauen. Jaweid überlebte, Ferhat nicht. Er wurde ermordet aus rassistischen Motiven. Genauso wie Sedat Gürbüz, Fatih Saraçoğlu, Kaloyan Velkov, Gökhan Gültekin, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović und Vili Viorel Păun.  

Das Feature rekonstruiert mit Angehörigen und Überlebenden den Tag des Anschlags und zeigt auf, wie Alltagsrassismus, Segregation und kaum überwindbare Klassenunterschiede den Alltag in der Hanauer Weststadt prägen.  ->> Das Feature Deutschlandfunk Der letzte Tag, 55.min., 12.03.2021


"Am 19. Februar 2020 tötet der 43-jährige Attentäter von Hanau neun Menschen, im Alter zwischen 21 und 44 Jahren. Aus rassistischen Motiven. Danach erschoss er seine Mutter und sich selbst.

Der Täter: ein Rechtsterrorist, ein psychisch kranker Mann, der unter Verfolgungswahn litt, getrieben von Hass und Verachtung, Sportschütze mit Waffenschein. Hätte dieses Verbrechen verhindert werden können? Die wohl wichtigste von unzähligen Fragen, auf die die Hinterbliebenen der Opfer auch ein Jahr später noch Antworten suchen.

Sie werfen den Ermittlungsbehörden schwere Versäumnisse vor und haben jetzt Strafanzeige gegen den Vater des Täters gestellt. Ihr Vorwurf: Beihilfe zum Mord. Überlebende und Angehörige der Opfer verfolgt die Tat bis heute. Sie fürchten neue Gewalt. Welche politischen Lehren hat die Bundesregierung aus Hanau und aus drei Jahrzehnten rechtsterroristischer Anschläge in Deutschland gezogen? Was ist zu tun, damit Hanau sich nicht wiederholt?"

hr2-kultur, "Der Tag", 55 min. 18.02.2021

Das Festival WIR SIND HIER. thematisiert Rassismus und Zusammenleben in Deutschland. 

Zum ersten Jahrestag der rassistischen Morde sind Autor*innen zu Gast im Literaturhaus Frankfurt und in Hanau, die sich in ihrer literarischen, journalistischen oder publizistischen Arbeit ausdrücklich oder hintergründig mit Rassismus beschäftigen.  Ein gekürzter Mitschnitt eines Gesprächs über „Gesellschaft und Rassismus“. Hinhören, hinsehen, handeln ->> HR2 6.03.2021  
Das Gespräch moderiert die Kabarettistin, Schauspielerin und Influencerin İdil Baydar, die selbst Opfer des NSU 2.0 geworden ist. Es diskutieren und lesen die Journalistin, Autorin und Aktivistin Ferda Ataman („Ich bin von hier. Hört auf zu fragen!“ (S. Fischer), der Journalist, Autor und Speaker Mohamed Amjahid („Unter Weißen“ Hanser Berlin) und die Anwältin der Nebenklage im NSU-Prozess Seda Başay-Yıldız. 

Saal 101 - Dokumentarhörspiel zum NSU-Prozess in 24 Teilen

 "Ein facettenreiches und differenziertes Bild des NSU-Prozesses jenseits der Schlagzeilen: Die als Jahrhundertprozess bezeichnete Verhandlung fand von Mai 2013 bis Juli 2018 in München statt und gibt beklemmende Einblicke in deutsche Abgründe. Der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) verübte zehn Morde – die Opfer waren acht türkische und ein griechischer Geschäftsmann, sowie eine deutsche Streifenpolizistin – zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle. ..."
ab 19.02.2021 im Deutschlandfunk Kultur

Am 27. Januar 1945 befreien Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager in Auschwitz-Birkenau  - Charlotte Knobloch im Bundestag: Jüdische Allgemeine 27.01.2021 


 "Dorde Jovanovic, einem Roma aus Serbien, platzte während des ersten "Anti-Rassismus-Gipfels" der Europäischen Union der Kragen. "Ich habe keine Lust mehr ständig von meinen negativen Erfahrungen zu berichten. Ich will nicht immer als Opfer abgestempelt werden, während dann eine rein weiße EU-Kommission Entscheidungen trifft", sagte Jovanovic in der vier Stunden langen Videokonferenz. Es sei Zeit zu handeln, forderte der Präsident des "Europäischen Zentrums für die Rechte der Roma".
Inspiriert von der "Black lives matter"-Bewegung in den USA und Protesten in ganz Europa im Sommer 2020 hat die EU-Kommission im September ihren ersten "Aktionsplan gegen Rassismus" aufgestellt.  Ursula von der Leyen: "Rassismus umgibt uns überall. ... Jeden Tag werden Schwarze, Juden, Moslems, Menschen mit arabisch klingenden Namen, Migranten und Flüchtlinge Rassismus in der EU erleben. ... Auch in den Institutionen der EU gebe es strukturellen Rassismus. Deshalb führe die Kommission jetzt zum ersten Mal eine Befragung ihrer 38 000 Angestellten durch, um die Defizite zu erkennen."   Deutsche Welle - DW, 19.03.2021

Schauen Sie: Kultur.21: Europa postkolonial - Keine Zukunft ohne Erinnerung, DW 19.03.2021, 26 min.


BLACK LIVES MATTER!  - seit 21.07.2020 *regelmässig aktualisiert***  01.07.2021
Am 25. Mai 2020 wurde der 46-jährige Afroamerikaner George Perry Floyd in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota bei einer Festnahme ermordet. Acht Minuten und 46 Sekunden kniete ein Polizist auf seinem Hals und drückte ihm die Luft ab, obwohl G. Floyd etwa 30 Mal sagte, er könne nicht atmen: "I can't breathe". Zu seinem Leben und Sterben, Abruf 16.07.2020
!! Die Stadt Minneapolis zahlt der Familie des bei einem Polizeieinsatz getöteten Afroamerikaners George Floyd 27 Millionen US-Dollar Schmerzensgeld.
Das teilte der Anwalt der Familie mit. Floyd war im Mai vergangenen Jahres gestorben, nachdem ein weißer Polizist sein Knie neun Minuten lang auf dessen Hals gedrückt hatte.
Am 30. März beginnt der Prozess gegen den Polizisten - die Ermordung war durch die 18jährige Darnella Frazier aufgezeichnet worden. DIE ZEIT, 31.03.2021


"Dürfte man nur eine große Rede der Weltgeschichte auswählen, dann wäre es wohl diese. In einem Satz fasste Martin Luther King seinen friedlichen Kampf für die Bürgerrechte der schwarzen US-Amerikaner zusammen. Die historischen Worte sprach er 1963 vor 250 000 Menschen. Wie entstand das legendäre „I Have a Dream“? Was ist aus dem Traum des schwarzen Predigers geworden? " Ist der Traum des schwarzen Predigers heute Wirklichkeit? ->> arte, Abruf 10.09.2020

Während der Beerdigung von George Floyd am 9. Juni 2020 in Houston, USA, zeigten sich viele Menschen in Afrika solidarisch und knieten nieder, so z.B. in Dakar, Senegal (Le monde, frz. 10.06.2020). Von der Insel Gorée (Dakar) wurden Millionen Menschen als Sklaven verschifft. Wegen der menschenunwürdigen Bedingungen kamen viele nicht in den USA oder Brasilien an, oder sie starben bei Zwangsarbeiten. Solidarisch waren auch viele Menschen in Südafrika, Kenia, Ghana. Auch in arabischen Ländern gab es Solidaritätsadressen, z.B. in Tunesien, wo es ebenfalls ein Problem mit Rassismus gibt: qantara 10.06.2020 oder in Marokko: qantara 21.07.2020  

In Belgien wurden nach massiven Protesten mehrere Statuen von König Leopold II. entfernt (La Libre, Video, 8.06.2020). Leopold II. gründete in Zentralafrika den offiziell eigenständigen Kongo-Freistaat, dessen absoluter Monarch und persönlicher Eigentümer er von 1876/1885 bis 1908 war. Zu dieser Zeit wurde aus dem Kongo vor allem Elfenbein und Kautschuk exportiert. Die einheimische Bevölkerung wurde dabei grausamst misshandelt und ausgebeutet. Wegen der Fronarbeiten und der Misshandlung der einheimischen Bevölkerung sind während dieser Zeit, geschätzt, bis zu zehn Millionen Personen gestorben.
Ein historischer Augenblick: nach 147 Jahren, dokumentiert auf Twitter. 2,5 Millionen haben diesen Film gesehen. Weitere Verantwortliche für den Kolonialismus, deren Statue nach Jahrhunderten vom Podest geholt wurde: BBC  10.06.2020 

Zum ersten Mal in der Geschichte, 60 Jahre nach der Unabhängigkeit des Kongo, spricht ein belgischer König, König Philippe, in einem Brief an den kongolesischen Präsidenten Félix Tshisekedi sein tiefstes Bedauern für die Gräueltaten während der Kolonialzeit aus: Belgischer Rundfunk 30.06.2020. So reagieren die Menschen in der Hauptstadt des Kongo Kinshasa auf die Entschuldigung des belgischen Königs: RFI frz 07.07.2020

Colette Braeckman, gute Kennerin der Region der Großen Seen, beschreibt in ihrem Blog die rassistische koloniale Rolle Belgiens in den 1950er und 1960er Jahren und wie Belgien bei den Vereinbarungen zur Unabhängigkeit den Kongo plünderte, es ist kaum zu glauben: "Le sort du Congo s’est joué en 1959" Blog Colette Braeckman, frz. 26.06.2020.
In den 1950er Jahren, als die Unabhängigkeitsbewegungen auf dem afrikanischen Kontinent immer aktiver wurden, legte der belgische Hochschullehrer Van Bilsen einen Bericht vor, der die Unabhängigkeit in 30 Jahren vorschlug, was in Belgien auf großen Widerspruch stieß. Man müsse noch hundert Jahre im Kongo bleiben, da es im Kongo keine einheimische Elite und Kompetenzen gäbe. 

1959 hat der belgische Staat alle Reichtümer, die sich im Kongo befanden, in das sogenannte "Mutterland" exportiert. Die kongolesischen Unternehmen, z.B. im Abbau von Uran, Kupfer, Gold, Zinn, Kobalt, Diamanten, Mangan, Zink, und große Plantagenbesitzer wurden „nationalisiert“, das heißt belgisch!
Der Politiker, und gegenüber der Kolonialmacht sehr kritische Patrice Lumumba, wurde in freien Wahlen der erste Ministerpräsident des unabhängigen Kongo (30.06.1960). Im Januar 1961 wurde er unter der Beteiligung der Geheimdienste von Belgien und den USA ermordet. Seine Leiche wurde in Säure aufgelöst. Übrig blieb ein Zahn, der 2020 von Brüssel nach Kongo-Kinshasa gebracht und feierlich beerdigt werden soll. NZZ  26.09.2020
 

Leopold II. und Belgiens Kolonialherren schufen im Kongo ein System von Ausbeutung und Gewalt, dessen Spuren sich durch 60 Jahre Unabhängigkeit ziehen. König Leopolds Erbe: Das Chaos im Kongo, Deutsche Welle – DW, 29.06.2020
Belgien hat sich bis heute nicht ernsthaft mit den Gräueln, die das Land im Kongo zu verantworten hat, auseinandergesetzt. Jedoch - Black Lives Matter hat seit Juni 2020 in Belgien viel in Bewegung gebracht. So wurde vom Parlament eine Kommission „Wahrheit und Versöhnung“ eingesetzt werden, deren Zusammensetzung umstritten ist. Zur Situation in Belgien ein Bericht aus der EU-Hauptstadt Brüssel: Der Tag HR2, ab 16-26 Minuten, 13.07.2020 
Interessant ist, dass die Beschreibung der Sendung durch den HR keine Informationen über zehn Minuten der Sendung enthält. Alexander Göbel berichtet über die grausame Kolonialpolitik des belgischen Königs Leopold II. in seiner privaten Kolonie Kongo und die bis heute mangelnde Aufarbeitung. Der Reichtum Belgiens basiert auf den gestohlenen Reichtümern des Kongos. 

Die belgische Schokolade ist wichtiger – aber wo kommt der Kakao her?

 

 In Deutschland hat man vor kurzem begonnen, sich mit der Kolonialzeit auseinanderzusetzen, insbesondere im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia. Das deutsche Reich war dort von 1884 bis 1915 Kolonialmacht. Deutsche Kolonialtruppen schlugen die Aufstände von zwei Volksgruppen brutal nieder. Die Militärs verübten 1904-1908 einen Völkermord an den Herero und Nama, 27.09.2019 
Seit vielen Jahren fordert Namibia, dass die Bundesrepublik Deutschland Reparationszahlungen für diesen Völkermord leistet. Das letzte Angebot der BRD von 10 Millionen € wurde von der Regierung Namibias am 11. August 2020 abgelehnt -> die Stellungnahme des Präsidenten Hage Geingob von Namibia, 11.08.2020
Das Auswärtige Amt nimmt Stellung: Gespräche der Bundesregierung mit der namibischen Regierung über die Aufarbeitung der gemeinsamen Kolonialvergangenheit, 12.08.2020
"Deutschland ist in Erklärungsnot", so die Deutsche Welle - DW 13.08.2020
Im Mai 2021 wurde im Mai ein Abkommen vereinbart. Aber - lesen Sie hier weiter -->> https://www.imbuto.net/fuer-sie-gesehen/

Bisher hat man sich fast gar nicht mit der deutschen Kolonialzeit in Kamerun, Togo und Deutsch-Ostafrika auseinandergesetzt. Dies ist auch nicht überraschend, denn - Kolonialgeschichte: weißer Fleck im Unterricht? Offensichtlich: DW, 08.10.2020
Wenn Sie Ihren Schüler*innen mehr Wissen über den Nachbarkontinent Afrika und die Beziehungen zu Europa vermitteln wollten, hier gute und vielseitige Materialien vom Bündnis „Gemeinsam für Afrika“ 08.10.2020

Die Analysen und Debatten nehmen zu,  z.B. Wir Herrenmenschen 13.05.2019
Burundi und Rwanda, Gebiete der früheren deutschen Kolonie Deutsch-Ost-Afrika wurden 1923 vom Völkerbund an den belgischen Staat übertragen. In dieser Zeit wurden alle sozialen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen verändert, die erheblich zu einer Ethnisierung und Schaffung von massiven Konflikten beitrugen.
Dies sind Faktoren, die für den Krieg ab 1990, den Genozid 1994 in Rwanda und bis heute in der Region der Großen Seen wirksam sind, hier eine umfassende Untersuchung zur Kolonialzeit und Entwicklung bis 1990 in Rwanda, Frankfurt am Main 1992 Rwandische Zivilisation und christlich-koloniale Herrschaft.   


In vielen Staaten in Afrika hat Black Lives Matter! viel in Bewegungen gebracht. Hundertfünf afrikanische Autor*innen senden eine Solidaritätsadresse in die USA: AfricanArguments, engl.  03.06.2020 
In Südafrika wurden Statuen von Kolonialherren und  „Gründungsvätern“ des Apartheidregimes gestürzt:  France24, frz, engl. 02.07.2020
Auf der Sklaveninsel Gorée vor Dakar, Senegal, wurde ein Platz umbenannt: Video, engl. 5.07.2020

Was tun Sportler in den USA gegen Rassismus? Die NBA machte in diesem Jahr politische Schlagzeilen: die Spieler streikten, um auf Rassismus aufmerksam zu machen.  DLF  3.11.2020

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Aktionen: Demonstrationen, Umbenennung von Straßen und heruntergeholte Statuen, die Gründer und deutsche Vertreter, Militärs oder Händler in den ehemaligen deutschen Kolonien ehren, z.B. von Bismarck, Lüderitz, von Trotha, Carl Peters. 

General von Lettow-Vorbeck wurde noch 2019 für seine strategischen Kompetenzen während des Ersten Weltkrieges in Deutsch-Ost-Afrika gerühmt: Kritik in der TAZ 04.03.2019
Zur Geschichte des Kolonialismus in Europa und in Deutschland -> Bundeszentrale für Politische Bildung BPB 23.10.2012

  • Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. ist seit 35! Jahren aktiv und fordert mit vielfältigen Aktivitäten in Deutschland ihre Rechte ein und kämpft gegen alle Formen des Rassismus


Die Debatte in Deutschland können Sie täglich in der Berichterstattung verfolgen, z.B. zum strukturellen Rassismus, zu 'Racial Profiling' durch Ordnungsorgane und Behörden, zur alltäglichen Diskriminierung von Deutschen! schwarzen Menschen ...
Es gibt Deutsche erster und zweiter Klasse schreibt Hasnain Kazim in der ZEIT 16.07.2020
und "Die Anstalt" zeigt "typische" Gespräche zwischen Deutschen, zdf 14.07.2020

Am 19.10.2020 fand der sogenannte "Integrationsgipfel" statt: Wieder ist die Vorstellung eines Maßnahmenpakets gegen Rechtsextremismus und Rassismus durch die Bundesregierung gescheitert. Dabei wird regelmäßig über rechte Gruppen z.B. in der Polizei berichtet, rechtextreme Bewegungen finden sich in vielen Strukturen und im Bundestag ... rechte Gewalt findet oft Beifall.  Doch - es gibt heute eine selbstbewusste Generation, deren Eltern oder Großeltern nach Deutschland eingewandert sind und die lautstark ihre Rechte einfordert und eine Antirassismus Agenda 2025 vorgelegt hat, so Farhad Dilmaghani in:  DIE ZEIT 19.10.2020.

  • Afropäisch - auf der Suche nach Identität: Was verbindet schwarze Menschen in Europa? Der britische Autor und Fotograf Johny Pitts hat sich auf den Weg gemacht - von Sheffield nach Paris, Brüssel, Berlin.  DW Video 20.09.2020 

Johny Pitts erhält den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2021 - für "Afropäisch. Eine Reise durch das schwarze Europa" 10.12.2020 Herzlichen Glückwunsch! 

  • In Deutschland leben über eine Million Menschen afrikanischer Herkunft. Sie prägen dieses Land mit – als Eltern, Journalist*innen, Reinigungskräfte, Pastor*innen, Afroshop Besitzer*innen, Rentner*innen, Sport Stars, Moderator*innen, Musiker*innen, Pflegekräfte, Aktivist*innen, Forscher*innen und vielem mehr. In der #AFROZENSUS Onlinebefragung, die im Frühjahr 2020 startete, wurden erstmals die Lebensrealitäten, Diskriminierungserfahrungen und Perspektiven Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen erfasst. Haben Sie mitgemacht?  Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2021 veröffentlicht ->>  #AFROZENSUS dt. engl. frz. 25.09.2020 


  • Erfahrungen aus der "weltoffenen" Metropole Frankfurt am Main:  Rassistische Attacken auf Ensemble in Frankfurt - Schwarze Schauspieler bedroht und beleidigt: fr.de  4.09.2020 


  • Rassismus gibt es immer und überall, auch in anderen Gesellschaften. Überall verletzt Rassismus die Rechte der Menschen auf ein würdiges Leben. 

In Deutschland gibt es den ganz alltäglichen Rassismus, über den kaum jemand spricht und wenn doch dann wird relativiert: „ist doch nicht schlimm, habe ich doch nicht so gemeint, sie ist doch wirklich süß …“.

Beispiele - Erfahrungen von Imbuto:
Frage an die Mutter: „Wo haben Sie denn das Kind adoptiert?“ "Die ist ja süß" und die Kollegin greift dem Mädchen in die Haare.
Menschen mit schwarzer Hautfarbe werden regelmässig gefragt: „Wo kommst Du her?“ Antwort „Aus Köln“ – Frage: „Nein, ich meine: wo kommst Du wirklich her?“ oder „Wann fahren Sie wieder nach Hause?“

Der Schulleiter einer Schule mit mehreren Hundert Schüler*innen in Hessen sendet eine Email an die Lehrenden. Diese beginnt anno 2020 „Der dunkelhäutige Schüler NN möchte bitte …“ Warum ein Bezug auf die Hautfarbe? Was hat diese mit dem Schulleben zu tun?  Gab es je eine Mitteilung „Der weiße Schüler ….“. Ist dies zu erklären? Werden Menschen so ausgegrenzt und zu anderen gemacht?

Der Freund aus Kamerun, gut gekleidet, kommt am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main an und geht zum Gleis, wo ein ICE steht. Dort fragt er in perfektem Deutsch, denn er lebt seit 25 Jahren in Deutschland, die Zugbegleiterin: „Ist dies der ICE nach Gießen?“ „Ja“ antwortet die Dame „aber das Wochenendticket ist hier nicht gültig“ … Wie bitte?

NEU: Schwarze Perspektiven, Film, 22 min. sehr zu empfehlen für ALLE: Schulen, Polizei, Minister*innen, dich und mich,  Alte und Junge ...  Kurzfilm von Lanre Aranmolate und Andrea Lötscher.
Schwarze Menschen aus Witten sprechen über Rassismus und warum die Black Lives Matter Bewegung erst ein Anfang ist für ein gesellschaftliches Umdenken. Der Film wurde gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ Kamera, Regie, Schnitt: Andrea Lötscher

Nun hat sich der deutsche Innenminister entschieden, eine umfassende Rassismusstudie durchführen zu lassen, wir sind auf das Ergebnis gespannt: DIE ZEIT, 20.09.2020

Und wie beeinflussen soziale Medien wie z.B. Instagram rechtsextreme Einstellungen? Correctiv hat recherchiert. 6.10.2020 


Ein Dossier "Heimatkunde" der Heinrich Böll-Stiftung: Die Infrastruktur des Rassismus

Vielfältige Perspektiven auf #BlackLivesMatter und strukturellen Rassismus, 16.07.2020

"Becoming Black" von Ines Johnson-Spain ist ein sehr interessanter Film über ihre Erfahrungen als schwarzes Kind weißer Eltern in der DDR. In ihrer Dokumentation erzählt sie vom Schweigen und systemischen Rassismus.: DIE ZEIT, 09.10.2020 - Und Sie erfahren sehr viel über soziale Strukturen und Werte in Togo -> Mediathek des ZDF

Schön, dass Sie bis hier gesehen, gelesen, gehört haben. Kommen Sie bald wieder!   Und - engagieren Sie sich - es gibt viele Möglichkeiten ...

Dieses Blog wird ehrenamtlich geschrieben, ohne monetäre Anerkennung - aber mit viel positivem Feedback. Wenn Ihnen die Informationen etwas "wert" sind, freuen wir uns über eine Spende! 

(c) Imbuto e.V. 
Autorin: Hildegard Schürings ###  aktualisiert 20.02.2022

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