Black Lives Matter! 

BLACK LIVES MATTER!  - seit 21.07.2020 *regelmäßig aktualisiert***  20.10.2020
Am 25. Mai 2020 wurde  der 46-jährige Afroamerikaner George Perry Floyd in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota bei einer Festnahme ermordet. Acht Minuten und 46 Sekunden kniete ein Polizist auf seinem Hals und drückte ihm die Luft ab, obwohl G. Floyd etwa 30 Mal sagte, er könne nicht atmen "I can't breathe", zu seinem Leben und Sterben, Abruf 16.07.2020

"Dürfte man nur eine große Rede der Weltgeschichte auswählen, dann wäre es wohl diese. In einem Satz fasste Martin Luther King seinen friedlichen Kampf für die Bürgerrechte der schwarzen US-Amerikaner zusammen. Die historischen Worte sprach er 1963 vor 250 000 Menschen. Wie entstand das legendäre „I Have a Dream“? Was ist aus dem Traum des schwarzen Predigers geworden? "Ist der Traum des schwarzen Predigers heute Wirklichkeit? ->> arte, Abruf 10.09.2020

Während der Beerdigung von George Floyd am 9.06.2020 in Houston, USA, zeigten sich viele Menschen in Afrika solidarisch und knieten nieder, so z.B. in Dakar, Senegal (Le monde, frz. 10.06.2020). Von der Insel Gorée (Dakar) wurden Millionen Menschen als Sklaven verschifft. Wegen der menschenunwürdigen Bedingungen kamen viele nicht in den USA oder Brasilien an, oder sie starben bei Zwangsarbeiten. Solidarisch waren auch viele Menschen in Südafrika, Kenia, Ghana. Auch in arabischen Ländern gab es Solidaritätsadressen, z.B. in Tunesien, wo es ebenfalls ein Problem mit Rassismus gibt: qantara 10.06.2020 oder in Marokko: qantara 21.07.2020  

In Belgien wurden nach massiven Protesten mehrere Statuen von König Leopold II entfernt (La Libre, Video, 8.06.2020). Leopold II gründete in Zentralafrika den offiziell eigenständigen Kongo-Freistaat, dessen absoluter Monarch und persönlicher Eigentümer er von 1876/1885 bis 1908 war. Zu dieser Zeit wurde aus dem Kongo vor allem Elfenbein und Kautschuk exportiert. Die einheimische Bevölkerung wurde dabei grausamst misshandelt und ausgebeutet. Wegen der Fronarbeiten und der Misshandlung der einheimischen Bevölkerung sind während dieser Zeit, geschätzt, bis zu zehn Millionen Personen gestorben.
Ein historischer Augenblick: nach 147 Jahren, auf Twitter mit  2,5 Mio., die den Film gesehen haben. Weitere Verantwortliche für den Kolonialismus, deren Statue nach Jahrhunderten vom Podest geholt wurde: BBC  10.06.2020
Zum ersten Mal in der Geschichte, 60 Jahre nach der Unabhängigkeit des Kongo, spricht ein belgischer König, König Philippe, in einem Brief an den kongolesischen Präsidenten Félix Tshisekedi sein tiefstes Bedauern für die Gräueltaten während der Kolonialzeit aus: Belgischer Rundfunk 30.06.2020. So reagieren die Menschen in der Hauptstadt des Kongo Kinshasa auf die Entschuldigung des belgischen Königs: RFI frz 07.07.2020

Colette Braeckman,  gute Kennerin der Region der Großen Seen, beschreibt in ihrem Blog die rassistische koloniale Rolle Belgiens in den 1950er und 1960er Jahren und wie Belgien bei den Vereinbarungen zur Unabhängigkeit den Kongo plünderte, es ist kaum zu glauben: "Le sort du Congo s’est joué en 1959" Blog Colette Braeckman, frz. 26.06.2020.
In den 1950er Jahren, als die Unabhängigkeitsbewegungen auf dem afrikanischen Kontinent immer aktiver wurden, legte der belgische Hochschullehrer Van Bilsen einen Bericht vor, der die Unabhängigkeit in 30 Jahren vorschlug, was in Belgien auf großen Widerspruch traf. Man müsse noch hundert Jahre im Kongo bleiben, da es im Kongo keine einheimische Elite und Kompetenzen gäbe. 

1959 hat der belgische Staat alle Reichtümer, die sich im Kongo befanden, in das sogenannte "Mutterland" exportiert. Die kongolesischen Unternehmen, z.B. im Abbau von Uran, Kupfer, Gold, Zinn, Kobalt, Diamanten, Mangan, Zink, und große Plantagenbesitzer wurden „nationalisiert“, das heißt belgisch!
Der Politiker, und gegenüber der Kolonialmacht sehr kritische Patrice Lumumba, wurde in freien Wahlen der erste Ministerpräsident des unabhängigen Kongo (30.06.1960). Im Januar 1961 wurde er unter der Beteiligung der Geheimdienste von Belgien und den USA ermordet. Seine Leiche wurde in Säure aufgelöst. Übrig blieb ein Zahn, der 2020 von Brüssel nach Kongo-Kinshasa gebracht und feierlich beerdigt werden soll. NZZ  26.09.2020
 

Leopold II. und Belgiens Kolonialherren schufen im Kongo ein System von Ausbeutung und Gewalt, dessen Spuren sich durch 60 Jahre Unabhängigkeit ziehen. König Leopolds Erbe: Das Chaos im Kongo, Deutsche Welle – DW, 29.06.2020 Belgien hat sich bis heute nicht ernsthaft mit den Gräueln, die das Land im Kongo zu verantworten hat, auseinandergesetzt.
Jedoch - Black Lives Matter hat seit Juni 2020 in Belgien viel in Bewegung gebracht. So wurde vom Parlament eine Kommission „Wahrheit und Versöhnung“ eingesetzt werden, deren Zusammensetzung umstritten ist.  Zur Situation in Belgien ein Bericht aus der EU-Hauptstadt Brüssel: Der Tag HR2, 13.07.2020

In Deutschland hat man vor kurzem begonnen, sich mit der Kolonialzeit auseinanderzusetzen, insbesondere im ehemaligen Deutsch-SüdWest-Afrika, dem heutigen Namibia. Hier verübten deutsche Militärs in den Jahren 1904-1908 einen Völkermord an den Herero und Nama, 27.09.2019
Seit vielen Jahren fordert Namibia, dass die Bundesrepublik Deutschland Reparationszahlungen für diesen Völkermord leistet. Das letzte Angebot der BRD von 10 Millionen € wurde von der Regierung Namibias am 11. August 2020 abgelehnt -> die Stellungnahme des Präsidenten Hage Geingob von Namibia, 11.08.2020
Das Auswärtige Amt nimmt Stellung: Gespräche der Bundesregierung mit der namibischen Regierung über die Aufarbeitung der gemeinsamen Kolonialvergangenheit, 12.08.2020
"Deutschland ist in Erklärungsnot", so die Deutsche Welle - DW 13.08.2020

Bisher hat man sich fast gar nicht mit der deutschen Kolonialzeit in Kamerun, Togo und Deutsch-Ost-Afrika auseinandergesetzt. Dies ist auch nicht überraschend, denn - Kolonialgeschichte: weißer Fleck im Unterricht? Offensichtlich: DW, 08.10.2020
Wenn Sie Ihren Schüler*innen mehr Wissen über den Nachbarkontinent Afrika und die Beziehungen zu Europa vermitteln wollten, hier gute und vielseitige Materialien vom Bündnis „Gemeinsam für Afrika“ 08.10.2020


Die Analysen und Debatten nehmen zu,  z.B. Wir Herrenmenschen 13.05.2019
Teile der früheren deutschen Kolonie Deutsch-Ost-Afrika (heutige Tanzania, Rwanda und Burundi) wurden 1923 vom Völkerbund an den belgischen Staat übertragen. In Burundi und Rwanda wurden in dieser Zeit alle sozialen, gesellschaftlichen und politischen Strukturen verändert, die erheblich zu einer Ethnisierung und Schaffung von massiven Konflikten beitrugen.
Dies sind Faktoren, die für den Krieg ab 1990, den Genozid 1994 in Rwanda und bis heute in der Region der Großen Seen wirksam sind, hier eine umfassende Untersuchung zur Kolonialzeit und Entwicklung bis 1990 in Rwanda, Frankfurt a.M. 1992! Rwandische Zivilisation und christlich-koloniale Herrschaft.   


In vielen Staaten in Afrika hat Black Lives Matter! viel in Bewegungen gebracht. Hundertfünf afrikanische Autor*innen senden eine Solidaritätsadresse in die USA: AfricanArguments, engl.  03.06.2020 
In Südafrika wurden Statuen von Kolonialherren und  „Gründungsvätern“ des Apartheidregimes gestürzt:  France24, frz, engl. 02.07.2020
Auf der Sklaveninsel Gorée vor Dakar, Senegal, wurde ein Platz umbenannt: Video, engl. 5.07.2020

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Aktionen: Demonstrationen, Umbenennung von Straßen und heruntergeholte Statuen, die Gründer und deutsche Vertreter, Militärs oder Händler in den ehemaligen deutschen Kolonien ehren, z.B. von Bismarck, Lüderitz, von Trotha, Carl Peters. 

General von Lettow-Vorbeck wurde noch 2019 für seine strategischen Kompetenzen während des Ersten Weltkrieges in Deutsch-Ost-Afrika gerühmt: Kritik in der TAZ 04.03.2019
Zur Geschichte des Kolonialismus in Europa und in Deutschland -> Bundeszentrale für Politische Bildung BPB 23.10.2012

  • Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. ist seit 35! Jahren aktiv und fordert mit vielfältigen Aktivitäten in Deutschland ihre Rechte ein und kämpft gegen alle Formen des Rassismus


Die Debatte in Deutschland können Sie täglich in der Berichterstattung verfolgen, z.B. zum strukturellen Rassismus, zu 'Racial Profiling' durch Ordnungsorgane und Behörden, zur alltäglichen Diskriminierung von Deutschen! schwarzen Menschen ...
Es gibt Deutsche erster und zweiter Klasse schreibt Hasnain Kazim in der ZEIT 16.07.2020
und "Die Anstalt" zeigt "typische" Gespräche zwischen Deutschen, zdf 14.07.2020

Am 19.10.2020 fand der sogenannte "Integrationsgipfel" statt: Wieder ist die Vorstellung eines Maßnahmenpakets gegen Rechtsextremismus und Rassismus durch die Bundesregierung gescheitert. Dabei wird regelmäßig über rechte Gruppen z.B. in der Polizei berichtet, rechtextreme Bewegungen finden sich in vielen Strukturen und im Bundestag ... rechte Gewalt findet oft Beifall.  Doch - es gibt heute eine selbstbewusste Generation, deren Eltern oder Großeltern nach Deutschland eingewandert sind und die lautstark ihre Rechte einfordert und eine Antirassismus Agenda 2025 vorgelegt hat, so Farhad Dilmaghani in:  DIE ZEIT 19.10.2020.

  • Afropäisch - auf der Suche nach Identität: Was verbindet schwarze Menschen in Europa? Der britische Autor und Fotograf Johny Pitts hat sich auf den Weg gemacht - von Sheffield nach Paris, Brüssel, Berlin.  DW Video 20.09.2020

 

  • In Deutschland leben über eine Million Menschen afrikanischer Herkunft. Sie prägen dieses Land mit – als Eltern, Journalist*innen, Reinigungskräfte, Pastor*innen, Afroshop Besitzer*innen, Rentner*innen, Sport Stars, Moderator*innen, Musiker*innen, Pflegekräfte, Aktivist*innen, Forscher*innen und vielem mehr. In der #AFROZENSUS Onlinebefragung, die im Frühjahr 2020 startete, wurden erstmals die Lebensrealitäten, Diskriminierungserfahrungen und Perspektiven Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen erfasst. Haben Sie mitgemacht?  Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2021 veröffentlicht ->>  #AFROZENSUS dt. engl. frz. 25.09.2020 


  • Erfahrungen aus der "weltoffenen" Metropole Frankfurt am Main:  Rassistische Attacken auf Ensemble in Frankfurt - Schwarze Schauspieler bedroht und beleidigt: fr.de  4.09.2020 


  • Rassismus gibt es immer und überall, auch in anderen Gesellschaften. Überall verletzt Rassismus die Rechte der Menschen auf ein würdiges Leben. 

In Deutschland gibt es den ganz alltäglichen Rassismus, über den kaum jemand spricht und wenn doch dann wird relativiert: „ist doch nicht schlimm, habe ich doch nicht so gemeint, sie ist doch wirklich süß …“.

Beispiele - Erfahrungen von Imbutos:
Frage an die Mutter: „Wo haben Sie denn das Kind adoptiert?“ "Die ist ja süß" und die Kollegin greift dem Mädchen in die Haare.
Menschen mit schwarzer Hautfarbe werden regelmässig gefragt: „Wo kommst Du her?“ Antwort „Aus Köln“ – Frage: „Nein, ich meine: wo kommst Du wirklich her?“ oder „Wann fahren Sie wieder nach Hause?“
Der Schulleiter einer Schule mit mehreren Hundert Schüler*innen in Hessen beginnt anno 2020 eine Mitteilung über das Schulmikrofon: „ Der dunkelhäutige Schüler möchte bitte …“ kein Name des Schülers, der bereits seit mehreren Jahren diese Schule besucht, nur Bezug auf die Hautfarbe.  Ist dies zu erklären?
Der Freund aus Kamerun, gut gekleidet, kommt am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main an und geht zum Gleis, wo ein ICE steht. Dort fragt er in perfektem Deutsch, denn er lebt seit 25 Jahren in Deutschland, die Zugbegleiterin: „Ist dies der ICE nach Gießen?“ „Ja“ antwortet die Dame „aber das Wochenendticket ist hier nicht gültig“ … Wie bitte?
Nun hat sich der deutsche Innenminister entschieden, eine umfassende Rassismusstudie durchführen zu lassen, wir sind auf das Ergebnis gespannt: DIE ZEIT, 20.09.2020

Und wie beeinflussen soziale Medien wie z.B. Instagram rechtsextreme Einstellungen? Correctiv hat recherchiert. 6.10.2020 


Hier das Dossier "Heimatkunde" der Heinrich Böll-Stiftung: Die Infrastruktur des Rassismus

Vielfältige Perspektiven auf #BlackLivesMatter und strukturellen Rassismus, 16.07.2020

"Becoming Black" von Ines Johnson-Spain ist ein sehr interessanter Film über ihre Erfahrungen als schwarzes Kind weißer Eltern in der DDR. In ihrer Dokumentation erzählt sie vom Schweigen und systemischen Rassismus.: DIE ZEIT, 09.10.2020 - Und Sie erfahren sehr viel über soziale Strukturen und Werte in Togo -> Mediathek des ZDF

Schön, dass Sie bis hier gesehen, gelesen, gehört haben. Kommen Sie bald wieder!   

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(c) Imbuto e.V. 
Autorin: Hildegard Schürings, unter Mitarbeit von Muriel Imhof ****  aktualisiert 20.10.2020

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